1.361 Meter für ein Lunchpaket

558 Kilometer trennen das Diakonie Haus Britz und den Ort Wickede/Echthausen im Kreis Soest. In Britz machte sich Montagfrüh letzter Woche Jens Kielmann auf den Weg, um bei seinem einwöchigen Spendenmarathon für die Obdachlosenarbeit der Tee und Wärmestube Neukölln bis nach Echthausen in Westfalen zu laufen. Nach sieben Etappen mit einem Umfang zwischen 50 und 113 Kilometern kam der 29-jährige Koch und Freizeitfußballer des BSV Grün-Weiß Neukölln am Sonntagnachmittag wohlbehalten im Haus seiner Eltern an.

„Die Obdachlosen haben gar nichts: Die haben weder ein Dach über dem Kopf. Noch haben die etwas zu Essen. Dafür habe ich diese 558 Kilometer gemacht!“, begründete Kielmann kurz vor dem Ziel auf der Straße in Wickede sein Engagement. „Ich habe draußen geschlafen in meinem Zelt. Es hat reingeregnet. Ich hab ‘ne komplette Woche wenig gegessen, um den Obdachlosen näher zu kommen“, berichtete er seinen Facebook-Freunden im letzten Videobericht der Tour weiter.

„Die Armut in Berlin nimmt eher noch zu als ab. Gerade bei uns In Neukölln ist das extrem“, schilderte der Spendenläufer aus eigener Erfahrung und kündigte am Ende seines Spendenmarathons für die Obdachlosenarbeit an: „Das soll nicht die einzige verrückte Sache gewesen sein. Da wird noch mehr kommen. Versprochen!“

„1.230 Euro sind auf unserem Spendenkonto bereits eingegangen“, sagte mir Thomas de Vachroi, Leiter im Diakonie Haus Britz und Armutsbeauftragter des Diakoniewerks Simeon, Montagvormittag und fügte am Telefon hinzu: „Wir werden auf weitere Spendeninitiativen angewiesen sein. Es ist absehbar, dass in diesem Jahr das Spendenaufkommen vieler privater Spender nicht mehr möglich sein wird, da vielen selber die Existenz ihrer Geschäfte weggebrochen ist.“

Seit Mitte März ist die Tee und Wärmestube in der Weisestraße coronabedingt geschlossen. Seitdem werden am Bürofenster aber drei Mal wöchentlich Essenspakete ausgegeben. Diese Lunchpakete enthalten eine frische warme Mahlzeit sowie eine zusätzliche Brotzeit. Getränke, Obst sowie Joghurt oder Quark gibt es ebenfalls. Pro Woche werden ca. 350 Pakete im Wert von jeweils 3 Euro ausgegeben. Mit den Spenden, die die Wandertour einbrachte, können 410 Pakete – etwas mehr als der Wochenbedarf – gepackt werden. Oder anschaulich umgerechnet: 1.361 Meter der Tour von Britz nach Echthausen belohnten die Spenderinnen und Spender mit jeweils einem Lunchpaket.

Mittwochnachmittag – Kielmann war zu dieser Zeit irgendwo zwischen Dessau und Eisleben unterwegs – besuchte Bezirksstadtrat Falko Liecke die Einrichtung in der Weisestraße. „Ich habe gesehen, wie viel Herz und Schweiß in dieser Arbeit steckt. Meine große Anerkennung für diese Menschen, die auch und gerade in der Krise an die Schwächsten in unserer Stadt denken“, dankte der Gesundheits- und Jugendstadtrat den Helferinnen und Helfern. „Alles wird aus Spenden finanziert. Aktuell sind die Lebensmittelspenden knapp, sodass viel dazu gekauft werden muss. Wer helfen will, ist immer gerne gesehen!“ , so Liecke.

Spenden für die „Aktion Lunchpakete“:
Diakoniewerk Simeon gGmbH / Kennwort: Diakonie Tee – und Wärmestuben Neukölln/Vachroi
IBAN: DE90 3506 0190 0000 0300 07
BIC: GENODED1DKD
Kreditinstitut: KD-BANK (Bank für Kirche und Diakonie)
Auf Wunsch werden Spendenquittungen und Nachweise erstellt

=Christian Kölling=

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