Neukölln erprobt temporäre Spielstraßen als Pilotprojekt

Pfingsten kann es für viele Kinder auf sechs Neuköllner Straßen richtig rund gehen: Das Bezirksamt will Straßenabschnitte in den Ortsteilen Neukölln und Britz zu temporären Spielstraßen erklären. Zunächst sechs Straßen sollen dafür ab 31. Mai an Sonn- und Feiertagen zwischen 13 und 19 Uhr in einem Pilotprojekt zeitlich begrenzt gesperrt werden. „In Corona-Zeiten benötigen Kinder und Jugendliche mehr Platz, auch um überfüllte Spielplätze zu vermeiden. Wir wollen deshalb vor allem in dicht bebauten Bereichen mehr Aufenthaltsqualität schaffen und einen konkreten Beitrag zum Infektionsschutz leisten“, kündigte Bezirksbürgermeister Martin Hikel in der vergangenen Woche an.

In den kurzen Straßenabschnitten, wo die temporäre Spielstraße erprobt wird, gilt künftig an Sonn- und Feiertagen ein absolutes Halteverbot sowie ein Durchfahrtverbot für Fahrzeuge aller Art. Bei den Straßenabschnitten handelt es sich im Reuterkiez um die Hobrechtstraße zwischen Sander- und Pflügerstraße sowie um die Nansenstraße am Reuterplatz. Im Körnerkiez sind die Selkestraße zwischen Schierker- und Nogatstraße sowie in Rixdorf die Schnalle zwischen Karl-Marx-Platz und Richardplatz für Kinder zum unbeschwerten Spielen freigegeben. In Britz dürfen sich Kinder und Jugendliche auf den temporären Spielstraßen Buschrosenplatz und Hüsung austoben.

Der Bezirk will während der Testphase des Pilotprojektes vor allem auch Erfahrungswerte sammeln und mit den Anwohnenden überlegen, ob manche der Spielstraßen dauerhaft eingerichtet werden können. „Unser Pilotprojekt funktioniert nur mit einer engagierten Anwohnerschaft – und ist so auch ein Beitrag für solidarische Nachbarschaften“, räumte Hikel ein. Pro Straßenabschnitt werden deshalb mindestens sechs Anwohnende gesucht, die ehrenamtlich die Spielstraßen betreuen wollen. Interessierte können sich auf der Webseite „Mein Berlin“  für die Betreuung eines Straßenabschnitts registrieren und schließen dann mit dem Bezirksamt einen Vertrag ab. Die Registrierung ist bis zum 24. Mai möglich. Auf der Seite werden auch weitergehende Informationen zu den Aufgaben der Freiwilligen erläutert. Zur Unterstützung der Freiwilligen werden zudem noch sechs Honorarkräfte gesucht.

Die Idee der Einrichtung von Spielstraßen lässt sich bis in die 1920er Jahre zurückverfolgen. Erstmals wurde 1956 ein Verkehrsschild mit der Aufschrift „Spielstraße“ in die Straßenverkehrsordnung der DDR aufgenommen. In der Bundesrepublik schildert heute ein rundes weißes Verkehrszeichen mit dickem roten Rand (Zeichen 250) in Verbindung mit einem Zusatzzeichen, auf dem zwei Kinder und ein Ball abgebildet sind, die Spielstraße aus. Spielstraßen sind ganz und gar Fußgängern und spielenden Kindern vorbehalten! Es gilt hier ein Verbot für Fahrzeuge aller Art, also auch für Fahrräder, Pedelecs und Krafträder, die allerdings geschoben werden dürfen. Insbesondere die Einrichtung von temporären Spielstraßen wird u. a. vom Deutschen Kinderhillfswerk befürwortet. “Ein Gutachten, das der Wissenschaftliche Parlamentsdienst des Abgeordnetenhauses von Berlin im November 2017 veröffentlicht hat, lege dar, dass eine solche Einrichtung nach den derzeitigen Bestimmungen der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) problemlos möglich sei, erklärt das Kinderhilfswerk auf seiner Webseite.

Weniger streng als in Spielstraßen sind demgegenüber die Regeln in verkehrsberuhigten Bereichen, die durch ein blaues Schild (Zeichen 325) ausgewiesen werden, das einen Erwachsenen und ein Kind zeigt, die auf der Straße vor dem Haus mit einem Ball spielen. Verkehrsberuhigte Zonen, wie z. B. in der Hobrechtstraße bereits vorhanden, sollen das Unfallrisiko minimieren und räumen Fußgängern Vorrang ein. Spielende Kinder und Fußgänger dürfen die komplette Straße nutzen, Autofahrende und Radfahrende müssen besondere Rücksicht nehmen. Grundsätzlich gelten in verkehrsberuhigten Bereichen – auch nachts – rechts vor links und Schrittgeschwindigkeit.

Das Bezirksamt Neukölln bietet für die Begleitung der temporären Spielstraßenzeit zur Unterstützung der Freiwilligen insgesamt sechs befristete Honorarverträge für den Zeitraum vom 31. Mai bis 9. August 2020. Jeder Honorarvertrag hat einen Umfang von 12 Terminen à 7 Stunden zu einem Stundensatz von 12,50 Euro (insg. 1.050 Euro).

Bewerbungen mit einem kurzen Anschreiben, Darstellung der Vita und persönlichen Kontaktdaten sind bis zum 27. Mai an cordula.simon@bezirksamt-neukoelln.de zu richten.

=Christian Kölling=

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