„Es fehlt noch eine detaillierte Aufarbeitung der Endtage des 2 Weltkriegs in Neukölln“

Mit einem einmaligen gesetzlichen Feiertag erinnert Berlin an den 8. Mai 1945. Die Kapitulation der Wehrmacht jährt sich heute zum 75. Mal. Das Datum markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und wird als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus gefeiert.

Bezirksstadträtin Karin Korte, zuständig für Bildung, Schule, Kultur und Sport, erklärte gestern in einer Pressemitteilung zum Kriegende vor einem Dreivierteljahrhundert: „Die Eroberung und Befreiung des Bezirkes Neukölln durch die Rote Armee begann am 26. April 1945. Truppenteile der 8. Gardearmee und die 1. Gardepanzerarmee unter Generaloberst Wassili Iwanowitsch Tschuikow stießen vom Treptower Park aus in Richtung Hermannplatz und Tempelhofer Feld vor. Es kam zu Straßenkämpfen und einem Kampf um das Rathaus, bei welchen wesentliche Teile des Gebäudes stark beschädigt wurden. Bis zum 28.4. wurden die Kämpfe weitgehend eingestellt, der gesamte Bezirk war innerhalb kurzer Zeit von sowjetischen Truppen besetzt.“

Was in den letzten Kriegstagen aber genau in Neukölln geschah, ist bis heute nur bruchstückhaft rekonstruiert. „Es fehlt noch eine detaillierte Aufarbeitung der Endtage des 2 Weltkriegs in Neukölln“, sagte mir Dr. Udo Gößwald, Leiter des Museums Neukölln, vor einigen Tagen. Einen kleinen Beitrag, um diese Lücke zu schließen, leistet nun das Museum Neukölln mit der Veröffentlichung eines Auszugs aus den persönlichen Erinnerungen von Martin Ohm. Der Sprecher und Schauspieler Matthias Paul hat zudem eine Passage aus dessen Erinnerungen für ein Video nachgesprochen. Ohm war vom 29. April bis Oktober 1945 Bezirksbürgermeister von Neukölln und gab seinem unveröffentlichten Manuskript den Titel „Kommunalhistorische Betrachtungen, 1949“.

Mit der Verlängerung der Ausstellung „Neuköllner Kriegskinder“ wird das Museum Neukölln ab 11. Mai wiedereröffnet. In der Videoinstallation von Ina Rommee und Stefan Krauss, die noch bis zum 5. Juli gezeigt wird, erzählen acht Neuköllner Zeitzeugen eindrückliche Geschichten, die sie als Kinder oder Jugendliche in den Jahren 1933 bis 1945 erlebt haben.

=Christian Kölling=