Kostenlose Mund-Nase-Masken sind in Neukölln rar

Bei der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs und in Geschäften muss seit letzter Woche eine textile Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. Für Berlinerinnen und Berlinern, die sich diese einfachen Masken finanziell nicht leisten können, stellte der Senat kurzfristig Community-Masken zur kostenlosen Ausgabe bereit.

In Neukölln traf die erste Lieferung von 7.500 Alltagsmasken in der letzten Aprilwoche ein. 1.000 davon gingen unmittelbar an soziale Träger zur Weiterverteilung, die übrigen wurden u. a. an der Pförtnerloge des Neuköllner Rathauses ausgegeben. Drei Tage später twitterte das Bezirksamt, dass erneut 3.000 Mund-Nase-Bedeckungen im Rathaus eingetroffen seien. Doch der Vorrat hielt nicht lange. “Im Rathaus konnten Masken abgeholt werden. Die sind aber leider nach zwei Tagen vergriffen, da die Nachfrage so groß ist. Das ist und bleibt ein Problem, das Vorhandensein von Masken“ , reagierte erst gestern Abend die SPD Neukölln und versprach: “Sind wir dran.“

Ich habe mich in dieser Woche bei einer Ausgabestelle der Berliner Tafel in der Kirchengemeinde Dreieinigkeit und im CARIsatt-Laden der Caritas erkundigt, wie dort die Verteilung der nicht-medizinischen Community-Masken anlief. „So viele Leute wie in der vergangenen Woche sind noch nie bei uns gewesen“, sagte mir Diakon und Sozialarbeiter Karsten Böhm, der in der evangelischen Gemeinde die Tafel von Laib und Seele betreut, Montagvormittag am Telefon. „Wir geben derzeit Lebensmittelpakete unter freiem Himmel aus, damit die Abstands- und Hygieneregeln der Corona-Verordnung eingehalten werden“, erklärte er weiter. Für Einkommensarme aus Britz, Buckow und Rudow, deren fünfstellige Postleitzahl mit den drei Ziffern 123 beginnt, werden für gewöhnlich jeden Montagmittag um 12 Uhr in der Kirchengemeinde an der Lipschitzallee rund 150 Tüten mit Gemüse, Obst und Joghurt an Einzelpersonen und Familien ausgegeben.

Zur Lebensmittelausgabe am vergangenen Montag hatte Diakon Böhm 500 einfache Mund-Nase-Schutzmasken aus dem Rathaus Neukölln für die kostenlose Verteilung zusätzlich mitgebracht. Gut 20 Kunden der Tafel in der Gropiusstadt werden augenblicklich mit einem Fahrradkurierdienst versorgt. Im Norden Neuköllns, wo der Verein die Superarmen einen Kurierdienst für Tafel-Kunden anregt hatte, die coronabedingt das Haus derzeit nicht verlassen, werden zwischen 30 und 50 Lebensmitteltüten mit dem Fahrrad ausgefahren, ergänzte Böhm.

Auch im CARIsatt-Laden in der Steinbockstraße herrscht Maskenpflicht. Das Geschäft im Norden Neuköllns sieht aus wie ein gewöhnlicher Tante-Emma-Laden. Die Lebensmittel kommen aus Überproduktionen, beschädigten Transporten oder werden von Händlern gespendet. Bedürftige erhalten gegen Vorlage eines Einkommensnachweises die Berechtigung, um hier Waren einzukaufen, die etwa ein Drittel weniger als im herkömmlichen Handel kosten.

Im November 2019 fand CARIsatt mit Unterstützung des Bezirksamtes Neukölln an der Weißen Siedlung – nicht weit vom Dammweg – einen neuen Laden. Davor war das Geschäft von 2007 bis 2018 in der Aronsstraße. „Unser Motto ‚Dein Platz im Kiez‘, das im Fenster steht, nehmen wir sehr ernst“, sagte mir Maria Streichert, CARIsatt-Koordinatorin für Berlin, Königs Wusterhausen, Fürstenwalde und Frankfurt (Oder). Guter Kontakt zur Nachbarschaft, soziale Arbeit und Beratung nehmen deshalb im Kieztreffpunkt einen großen Stellenwert ein. „Mit Workshops wollen wir auch für die Nachbarschaft etwas auf gemeinschaftlicher Ebene anbieten“, stellte Streichert schon ihre Pläne für die Zeit vor, wenn Gruppentreffen wieder möglich sein werden.

200 bunte Community-Masken aus dem Rathaus Neukölln waren gerade bei ihr eingetroffen, als ich den Laden besuchte. „Die Malteser nähen auch für uns“, berichtete Streichert weiter. Nachbarn, die nicht mehr mobil sind und partout keine günstige Stoffmaske finden, könnten deshalb auch ohne Bedürftigkeitsprüfung kostenlos eine Mund-Nase-Bedeckung im CARIsatt-Laden erhalten.

=Christian Kölling=