Sportflugzeuge über dem Tempelhofer Feld erinnern an Geflüchtete

Außergewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhliche Maßnahmen. Da öffentliche Versammlungen wegen der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung des Corona-Virus kaum noch durchgeführt werden können, hat sich das politische Leben zu einem großen Teil ins Internet verlagert. Immer wieder sind in den Straßen Neuköllns aber auch Transparente zu entdecken, die aus Fenstern hängen oder an Balkonen angebracht sind. Sie weisen häufig auf die Situation obdachloser Menschen hin oder rufen zur Solidarität mit Geflüchteten auf, die an den Außengrenzen der Europäischen Union in Lagern untergebracht sind.

„Allein im Camp Moria auf Lesbos leben mittlerweile 20.000 Menschen, obwohl es nur auf knapp 3.000 ausgerichtet ist. Wenn das Corona-Virus das Camp erreicht, droht hier neben der jetzt schon stattfindenden menschenrechtlichen auch noch eine gesundheitliche Katastrophe. Es gibt kaum Wasser, keine Möglichkeiten zum Händewaschen“, warnte beispielsweise der April-Newsletter des Entwicklungspolitischen Ratschlags (BER) und rief zur Unterstützung der Kampagne #Leave no one behind auf, mit der die Bewegung Seebrücke in einem Aufruf die Evakuierung der Geflüchteten-Camps fordert.

Nicht schlecht staunte ich am vergangenen Freitagnachmittag, als über dem Tempelhofer Feld zwei Sportmaschinen flogen. Eins der beiden Flugzeuge zog ein langes Transparent hinter sich her, das die Aufschrift „Leave no one behind“ trug. „Heute haben wir Berlin aus der Luft daran erinnert, dass nach wie vor über 40.000 Menschen auf den griechischen Inseln in unwürdigen, überfüllten Camps der Covid19-Pandemie ausgeliefert sind“, erklärte später @Seawatchcrew bei Twitter zur Aktion. Über die Situation an den EU-Außengrenzen informiert aktuell u. a. die Initiative Can’t wash my hands.

=Christian Kölling=

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