Engagementzentrum bietet Nachbarschaftshilfe und hält auch das Kerngeschäft aufrecht

Vorrangig Hilfe zur Selbsthilfe will das Neuköllner Engagement Zentrum (NEZ) leisten und legt – anders als eine herkömmliche Freiwilligenagentur – seit seiner Gründung Ende 2017 deshalb die Priorität auf die Vernetzung bereits vorhandener Strukturen. Das Team des Zentrums pendelt seit Mitte März zwischen eingeschränktem Bürobetrieb ohne Besucherverkehr und Home-Office, wirbelt aber wie eh und je, damit die bestehenden Angeboten erhalten bleiben und neue Projekte angeschoben werden können.

So bietet beispielsweise Lukas Schulte am 28. April telefonisch oder auch per Video-Chat, wieder seine Beratung für die Beantragung von Fördergeldern an. “Interessierte können sich per Telefon (030-62728727) oder Mail (schulte@nez-neukoelln.de) anmelden. Ausführliche Informationen und Antworten auf die Frage, ob die Beratung das richtige für Sie ist, finden Sie vorab auf unserer Webseite. Bitte reichen Sie mit der Anmeldung eine knappe Skizze ihres Projekts ein!”, erklärte mir Schulte vor einigen Tagen am Fenster des Zentrums in der Hertzbergstraße.

Gute Erfahrungen hat das NEZ inzwischen aber auch mit der Hotline zur Vermittlung von Freiwilligen gemacht, die am 26. März unter der Nummer 030 / 629 336 320 eingerichtet wurde und an allen Werktagen zwischen 10 und 16 Uhr von zwei Personen betreut wird. Rund 350 Helferinnen und Helfer haben sich online bereits für die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe registrieren lassen, für deren Inanspruchnahme Bezirksbürgermeister Martin Hikel mit 44.000 Briefen warb, die an alle über 70-jährigen Neuköllnerinnen und Neuköllner verschickt wurden. Über 120 ältere Menschen, aber auch Personen, die zu Risikogruppen gehören, lassen sich aktuell während der Corona-Krise beispielsweise bei Wegen zur Apotheke oder zum Arzt helfen. „Weil wir soviel Unterstützung haben, ist oft eine lokale Vermittlung im selben Postleitzahlbereich möglich“, sagte mir Olivia Reber vom NEZ-Büro vor einigen Tagen beim Telefoninterview. „Wir vermitteln aber auch an andere Einrichtungen, wenn wir selbst nicht helfen können. Wir kümmern uns um jeden Anruf!“, fügte sie hinzu.

Eine ältere Dame, die dringend neuen Lesestoff brauchte, lernte durch die Telefonvermittlung beispielsweise eine Frau kennen, die gerade ihr Bücherregal aufgeräumt hatte und deshalb alte Bücher verschenken wollte. „Manchmal ist die Corona-Krise auch der berühmte Tropfen, der das Fass sprichwörtlich zum Überlaufen bringt“, erinnerte sich Reber an einen weiteren Fall. Eine bedürftige, aber rüstige Neuköllnerin, die ohne Pflegestufe keinen Rechtsanspruch auf die Begleitung durch einen professionellen Pflegedienst hat, bat bei der Telefon-Hotline erstmals in ihrem Leben um eine Hilfe für einen Gang zum Zahnarzt.

=Christian Kölling=

Eine Antwort

  1. Guten Tag,

    Danke für Ihren täglichen Newsletter, den ich sehr gern lese. Nur heute stößt mir etwas auf:

    … wird Nachbarschaftshilfe inzwischen auch zu einem „Kerngeschäft“, noch dazu ehrenamtliches Engagement? Genau das ist m.E. Gift in Worten, welches aus unserer Gesellschaft endlich entfernt gehört. …

    Ehrenamt ist inzwischen längst eine immense Wirtschaftsgröße, die leider auch kräftig (von der Politik) missbraucht und ausgenutzt wird! Damit meine ich: unsere Steuergelder werden an den falschen Stellen heraus geworfen und wir Trottel sollen dafür auch noch Ehrenamt leisten gehen. (Anm.: ich mache Ehrenamt, aber niemals institutionalisiert, wo sich andere Geld verdienen, mit meiner ehrenamtlichen Arbeit)

    Viele Grüße

    Elke STachowiak

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