Neuer Stadtführer stellt fünf Touren durch die Neuköllner Ortsteile vor

Frühling, Sommer, Herbst und Winter – für einen Spaziergang ist bei entsprechender Vorbereitung jede Jahreszeit gut. Der auf Berlin-Geschichte spezialisierte Elsengold Verlag hat in seiner Reihe „Berliner Stadtspaziergänge“ kürzlich den mit historischen Aufnahmen und aktuellen Fotos reich bebilderten Stadtführer „Neukölln mit Britz und Rudow“ herausgebracht. In der Reihe, deren Hefte jeweils 64 Seiten umfassen, sind bereits Spaziergänge durch acht andere Berliner Bezirke und eine Anregung für Touren zum Thema „Berlin im Dritten Reich“ erschienen. Auch wenn alle Neuköllner, die von der Wichtigkeit ihres Bezirkes fest überzeugt sind, sich vielleicht wundern mögen, dass Neukölln für die Reihe der Stadtspaziergänge erst so spät entdeckt wurde, ist das Büchlein auch Einheimischen, die ihre Ortskenntnisse vertiefen wollen, durchaus zu empfehlen.

Hilmar Krüger, Vorsitzender des Neuköllner Heimatvereins, Jutta Kendzia vom Rudower Heimatverein, Hans-Georg Miethke, Chronist der Gropiusstadt, und Neuköllns früherer Bezirksbürgermeister Bodo Mangegold haben ihr Wissen über die Ortsteile Britz, Buckow, Rudow, Gropiusstadt sowie über die Altstadt Rixdorf zwischen Hermannplatz und Ringbahn, deren Ortsteilname heute mit dem Bezirksnamen Neukölln identisch ist, in fünf Beiträgen zusammengetragen. Ausgangspunkt der Spaziergänge sind verschiedene Bahnhöfe der U-Bahnlinie 7; nur der Rundgang durch Alt-Buckow startet an einer Haltestelle der Buslinie M44, wo früher die Endstation der Straßenbahnlinie 27 war.

Hilmar Krüger führt eingangs durch Alt-Rixdorf. Sein Rundgang beginnt in der Karl-Marx-Straße beim verschwundenen Traditionsgeschäft Koffer Panneck, führt über das Musikhaus Bading zum Körnerpark mit dem Fundort des Reitergrabes an der Selkestraße und endet – nach einem ausführlichen Besuch der früheren Doppelgemeinde Deutsch-Böhmisch-Rixdorf rund um die Bethlehemskirche – schließlich im neuen Kulturviertel an der Passage.

In seinem zweiten Beitrag empfiehlt Herausgeber Krüger für einen Frühjahrsspaziergang den Ortsteil Britz, der einst – als die Späthsche Baumschule in Treptow noch zu Britz gehörte – auch Rosenbritz genannt wurde, aber seinen ländlichen Charakter allmählich verlor, nachdem die Hufeisensiedlung in den 1920er Jahren gebaut wurde.

Hans-Georg Miethke hat einen sechs Kilometer langen Herbstspaziergang durch die Gropiusstadt zusammengestellt. Die Leserinnen und Leser erfahren von ihm unter anderem, dass zum jüngsten Ortsteil Neuköllns nicht nur das höchste Wohnhaus Berlins gehört, sondern dass in der Gropiusstadt an der Goldammerstraße seit 1892 auch die Jungfernmühle steht. Für den Ortsteil Rudow empfehlen der Gropiusstädter und die Rudowerin Jutta Kendzia außer einem Rundgang im Ortskern auch eine Spazierfahrt zur Rudower Höhe, zum Dörferblick und zum Milchhof Mendler, die zu jeder Jahreszeit lohnt.

Bodo Manegold, heute als Gemeindekirchenratsvorsitzender und Prädikant der evangelischen Kirchengemeinde Alt-Buckow ehrenamtlich engagiert, verknüpft auf seinem Rundgang schließlich Vergangenheit und Gegenwart, indem er die Geschichte Buckower Familien und der Gewerbeentwicklung ebenso schildert wie seine Beobachtungen und persönlichen Eindrücke zu Denkmälern, Grabsteinen und anderen Erinnerungsorten mit dem Leser teilt.

Der Stadtführer „Neukölln – Berliner Spaziergänge“ kostet 5 Euro und ist im örtlichen Buchhandel erhältlich.

=Christian Kölling=