Mit acht Neuköllner Wochenmärkten durch die Krise

„Auf dem Wochenmarkt Maybachufer riecht, seht, hört und schmeckt ihr die Welt!“ – so wirbt der Markt am Landwehrkanal. Bis vor kurzem lockte mit internationalen Spezialitäten, frisch geerntetem Obst und Gemüse aus Afrika, Asien, Europa und Bio aus Brandenburg auch zahlreiche Touristen aus aller Welt nach Neukölln. „Das Coronavirus zwingt uns zum Abstandhalten: Der Markt am Maybachufer hat sich von einem enggassigen Basar zu einem Frischemarkt ohne Tourismus verwandelt. Zwischen den Ständen gibt es nun viele Lücken und Platz zum Social Distancing. Nur Lebensmittel, Waren für Handwerk und Haushalt sowie Gartenpflanzen sind zugelassen“, erklärte mir Nikolaus Fink, der mit seinem Unternehmen diemarktplaner insgesamt acht Wochenmärkte in Neukölln betreibt: im Norden auf dem Hermann-, Karl-Marx- und Kranoldplatz, jm Süden an der Parchimer- und Wutzkyallee, am U-Bahnhof Britz-Süd und auf dem Dorfmarkt in Rudow.

„Wochenmärkte sind wichtig zur Nahversorgung der Bevölkerung, besonders in Corona-Zeiten. Unsere Nonfood-Händler haben jedoch massive Umsatzeinbrüche und bangen um ihre Existenz“, sagte Fink am vergangenen Freitag. Für seine Wochenmarkthändler hat er deshalb ein Papier erstellt, das über Wirtschaftshilfen informiert. Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen können sofort 5.000 Euro Landeszuschuss für Personal- und Betriebskosten sowie bis zu 9.000 Euro Bundeszuschuss für Betriebskosten beantragen.

„Die Zuschüsse für die Betriebskosten sind zweckgebunden und auch für die Marktmiete gedacht, damit die Märkte weitergeführt werden können. So kommen wir gemeinsam durch die Krise und können möglichst alle Arbeitsplätze auf den Märkten erhalten“, informiert Fink im Infoblatt. Ein weiterer Antrag kann nach drei bzw. sechs Monaten online bei der IBB gestellt werden. Weitere Wirtschaftshilfen sind KfW-Darlehen, die bei der Hausbank zu beantragen sind. Außerdem gibt es Möglichkeiten zu Steuerstundungen und Stundungen von Sozialbeiträgen, ebenso wie die Beantragung von Kurzarbeitergeld sowie Grundsicherung für private Kosten, wofür jeweils die Arbeitsagentur und das Jobcenter, die Krankenkasse oder das Finanzamt zuständig sind.

Auch Birgitt Claus, die die Firma eßkultur mit über 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreibt, muss – wie viele andere – gegen die Folgen der Corona-Krise kämpfen. „Birgitt war am Dienstag auf dem Markt am Maybachufer und hat Stoffe am Stand Aksoy Textil gekauft“, berichtete mir Nikolaus Fink. Die Unternehmerin aus der Gastronomie-Branche, die u. a. die Kantine des Tagesspiegels und das Zitronen-Café im Körnerpark betreibt, ist kurzfristig auf die Anfertigung von einfachem, nicht-medizinischen Mundschutz umgestiegen. In Kürze will Fink jeden Markthändler mit diesem einfachen Mundschutz aus Stoff ausstatten, um neben den bisherigen Maßnahmen noch zusätzlichen Schutz zu schaffen. „Der Mundschutz kann ausgekocht und wiederverwendet werden. Wenn ihn alle tragen, kann das Infektionsrisiko verringert werden“, so Fink.

=Christian Kölling=