„Über den Völkermord an osmanischen Christen wird kaum gelehrt und geforscht“

Zwischen 3.000 und 4.000 Armenier, die auch fern von der Heimat ihre Sprache, Kultur und Religion pflegen, leben heute in Berlin. Die Veranstaltungsreihe „Neukölln – armenisch“, die Ende Januar im Interkulturellen Zentrum Genezareth eröffnet wurde, trägt dazu bei, die armenischen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, ihre Kultur, ihre Lebensweise und ihr Denken kennenzulernen.

Das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte und bis heute eine offene seelische Wunde für die Nachkommen, ist der Völkermord, der an den christlichen Armeniern im Osmanischen Reich verübt wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Osmanische Reich ein Vielvölkerstaat, in dem Christen unterschiedlichster Herkunft lebten. Viele von ihnen starben vor, nach und vor allem während des Ersten Weltkrieges bei systematischen Massakern, Todesmärschen oder durch Zwangsarbeit.

„Über den Völkermord an osmanischen Christen wird kaum gelehrt und geforscht, in den Schulen kommt der Genozid nicht vor“, lautet eine These der Philologin und Soziologin Dr. Tessa Hofmann. Sie war Mitarbeiterin am Osteuropa-Institut der Freien Universität und engagiert sich weiterhin als Armenien-Koordinatorin der Gesellschaft für bedrohte Völker. Am letzten Donnerstag im Februar lud Pfarrer Dr. Reinhard Kees die Sachbuchautorin, Menschenrechtlerin und Armenienkennerin zu einem Vortrag unter dem Titel „Der Genozid an den Christen im Osmanischen Reich und die Reaktionen im Deutschen Reich“ nach Neukölln ein.

In einer Resolution hat sich der Bundestag zwar 2005 ausdrücklich zu einer Mitverantwortung Deutschlands an den Vertreibungen und Massakern an den osmanischen Armeniern und anderen Christen bekannt, aber erst 2016 die osmanischen Staatsverbrechen als Genozid bewertet. Auf dem Luisenkirchhof III in Charlottenburg erinnert heute eine ökumenische Gedenkstätte mit einer Stahlplatte () an den Völkermord, der an etwa drei Millionen indigenen Christen im Osmanischen Reich sowie im osmanische besetzten Teil des Irans verübt wurde

In der Reihe Neukölln – interkulturell“ heißt es noch bis 2. April „Neukölln – armenisch“. In diesem Zusammenhang steht die Foto-Ausstellung zur armenischen Kultur, Religion und Geschichte der Armenier: zum Alphabet, zur Buchkunst, zur Kirche, zur Geschichte, zu Baudenkmälern in den armenischen Siedlungsgebieten und zum armenischen Leben in Berlin.

Das Programm der Veranstaltungsreihe „Neukölln armenisch“ gibt es unter www.sprengel-nordwest-neukoelln.de/izg

=Christian Kölling=