Neuköllner Oper will bis 2021 die Hälfte aller Führungspositionen mit Frauen besetzen

Zum 200. Geburtstag der Komponistin Clara Wieck-Schumann fand auf Initiative der Neuköllner Oper am 13. September letzten Jahres ein Hearing zur Frage der Gleichberechtigung von Frauen im Musiktheater statt. Yvonne Büdenhölzer (Theatertreffen), Dietmar Schwarz (Intendant Deutsche Oper Berlin), Karen Stone (Generalintendantin Theater Magdeburg), Annemie Vanackere (Intendantin HAU) und Sabine Bangert (Vorsitzende des Kulturausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus) forderten damals eine Frauenquote bei öffentlich geförderten Institutionen und Projekten sowie eine Ausweitung des Mentoring-Programms für Frauen in Kultur und Medien des Deutschen Kulturrates. Eine Konferenz zur Gender-(Un)-Gleichheit soll – diesmal um die Bereiche Musiktheater und Oper erweitert – auch in diesem Jahr wieder stattfinden, kamen die Teilnehmer des Hearings überein.

Anfang März erkundigte ich mich bei Andreas Altenhof, der zum dreiköpfigen Direktorium der Neuköllner Oper gehört, wie es um die Gleichberechtigung von Frauen in seinem Haus aktuell bestellt ist. „Für die Neuköllner Oper ist der polyperspektivische Blick auf unsere Gesellschaft seit jeher unverzichtbarer Bestandteil der künstlerischen Arbeit. In diesem Jahr führen Frauen bei der Hälfte unserer Aufführungen die Regie. Der Anteil der Komponistinnen liegt derzeit bei circa einem Viertel, aber 2021 werden es 50 Prozent sein. Bei Autorinnen sind es 2020 knapp 50 Prozent“, erklärte Altenhof und fügte hinzu: „Wir arbeiten daran, dass es ab 2021 in den wichtigen Führungspositionen Gleichstand gibt. Und hoffen, dass sich andere Theater vergleichbare Ziele setzen.“

Altenhof berichtete weiter, dass in der Neuköllner Oper gerade unter der Regie von Ulrike Schwab die Wiederaufnahme der „Wolfskinder“ – ein Musiktheater für Erwachsene nach Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel mit einem weiblichen Ensemble – gezeigt wurde. Kürzlich wurde zudem „Betterplazes“ uraufgeführt, ein Stück zu Google & Berlin. Die Geschichte, in der die Sprayer Timo und Sven mit dem Internet-Giganten und dem deutschen Rechtsstaat in Berührung kommen, ist die Produktion dreier Frauen: Die Recherchen machte die freie Journalistin Anna Catrin Loll. Die Musik schrieb die Komponistin Carlotta Rabea Joachim und Opern-Regisseurin Beka Savic leitete die Inszenierung. Schließlich ist eine Wiederaufnahme des Stücks „Casting Clara“ unter der Regie von Cordula Däuper am 28. August geplant. Sieben Darstellerinnen zeigen Stationen aus dem Leben der musikgeschichtlichen Ikone Clara Schumann, die Wunderkind, Klaviervirtuosin, Komponistin, Professorin, Ehefrau von Robert Schumann, zudem Mutter von acht Kindern und berufstätig bis fast zu ihrem Tod mit 76 Jahren war.

=Christian Kölling=