Wenn Dinge erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind

„Unsichtbarkeiten“ heißt die Ausstellung, die vorletzten Freitag in der Galerie im Körnerpark eröffnet wurde. Genauso gut könnte sie aber auch „Unsicherheiten“ heißen, denn was man hier sieht, irritiert. Und bei vielen Besuchern beginnt die Verwirrung schon, wenn der Blick vor dem Betreten der Galerie am Plakat neben der Tür hängenbleibt. „OTTTO“ steht in großen weißen Lettern auf ihm, der Titel der Ausstellung kleiner und blasser darunter.

Die Frage, was es mit dem Palindrom mit Zusatz-T auf sich habe, werde ihm öfter gestellt. Bei der Antwort müsse er aber passen, sagte der Galerie-Mitarbeiter noch vor einigen Tagen. Oliver Oefelein, der wie auch Ka Bomhardt und Angela Lubič der Künstlergruppe OTTTO angehört, weiß es dagegen genau: „Wir kennen uns vom Studium her und arbeiten seither immer wieder temporär zusammen an Ausstellungen, aber auch künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum und performativen Aktionen. Um diese Gruppenprojekte deutlicher von unseren individuellen künstlerischen Tätigkeiten zu trennen, haben wir uns irgendwann für einen möglichst offenen, neutralen und visuell klaren, symmetrischen Gruppennamen entschieden.“ Anfangs hätten sie ihn nur mit Doppel-T geschrieben, das dritte T sei erst später hinzu gekommen: als Alleinstellungsmerkmal und Hinweis darauf, dass es sich um ein Künstler*innen-Trio handelt. „Zudem“, erläutert Oefelein, „haben wir mit der Schreibweise eine Entsprechung für das gefunden, mit dem wir künstlerisch arbeiten, dass Dinge erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind und Realitäten nicht das sind, wofür wir sie halten. Man überliest zunächst das dritte T aus Gewohnheit und Routine und erkennt erst mit dem zweiten Blick, dass ein Schreibfehler oder eine (absichtliche) Täuschung vorliegt.“

Auch in der Ausstellung erschließt sich nichts beim ersten Hinsehen. Fast könnte man zunächst meinen, dass die Vernissage noch bevorsteht und die Aufbauarbeiten in vollem Gange sind. Getreu dem Motto „Man sieht nur, was man weiß“ ist insofern das ausliegende Infoblatt, auf dem die 13 Installationen und zwei Video-Animationen von Bomhardt, Lubič und Oefelein detailliert beschrieben und erklärt sind, ausgesprochen hilfreich.

Das Zersetzen von Ordnungen und unterschiedlichsten Dingen, die sich verändern, verblassen und verschwinden, steht als inhaltliche Klammer über den Werken der Künstler. Einige sind oder waren als Utensilien im Alltag präsent, andere greifen Erinnerungen und Begebenheiten auf oder sind eine Reminiszenz an Personen. So konfrontiert die Künstlergruppe OTTTO mit ihrem Panorama des Verschwindens nicht nur mit dem, was bleibt und noch zu sehen ist, sondern auch das Publikum mit dem Umgang mit eigenen Erfahrungen des Vergessens und Verblassens von Erinnerungen.

Die Ausstellung „Unsichtbarkeiten. Panorama des Verschwindens“ wird bis zum 6. Mai in der Galerie im Körnerpark (Schierker Straße 8) gezeigt; Öffnungszeiten: tgl. 10 – 20 Uhr, Eintritt: frei.

Im Rahmenprogramm finden folgende Veranstaltungen statt:
4. März, 19 Uhr: Vortrag: Vergessen, verblichen, verschwommen – Gedächtnisvermögen gestern, heute, morgen
Der Neurologe Dr. med. Péter Körtvélyessy, Facharzt für Neurologie, spricht über Gedächtnisstörungen.
25. März, 19 Uhr: Show: Zauberhafte Illusionen
Der Zauberkünstler und Mentalist Ben Blu lässt Dinge verschwinden und beeinflusst unsere Gedanken.
22. April, 19 Uhr: Vortrag: Zwischen der Begegnung und dem Verschwinden
Der Philosoph Wilhelm Roskamm spricht über das Verschwinden und die Zeit.

Am Wochenende werden monatlich partizipative und kreativer Erkundungen der Ausstellung für Familien und Kinder angeboten. Für Schulklassen finden im Kreativraum des Young Arts Körnerpark regelmäßig Projekttage und Projektwochen statt. Alle Angebote sind kostenfrei. Weitere Informationen und Anmeldung: koernerpark@youngarts-nk.de

=Gast=