„Wir stehen hier, weil wir Aufklärung wollen“

Die Familie Bektas kämpft seit dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes Burak für die Aufklärung des Mordes und ein angemessenes Gedenken. Am 14. Februar wäre Burak 30 Jahre alt geworden. Familienangehörige, Freunde und Unterstützer trafen sich deshalb am vergangenen Freitagnachmittag am Gedenkort an der Rudower Straße/Ecke Möwenweg. An dieser Stelle wurde im April letzten Jahres – unweit vom Tatort entfernt – die zwei Meter hohe Bronzeskulptur „Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle“der Kreuzberger Künstlerin Zeynep Delibalta eingeweiht.

„Wir stehen hier, weil wir Aufklärung wollen“, leitete Helga Seyb, die bei der ReachOut Opferberatung Berlin arbeitet, ihre Rede ein. Sie erinnerte daran, dass auch acht Jahre nach dem Mord noch immer kein Täter ermittelt werden konnte. Nach wie vor würden die möglichen Zusammenhänge zwischen den Morden an Burak Bektas und Luke Holland nicht untersucht. Seyb kritisierte zudem die weitgehende Geheimhaltung der Ergebnisse eines Zwischenberichtes, den die im Frühjahr 2019 eingesetzten Ermittlergruppe „BAO Fokus“ über die rechtsextreme Anschlagsserie in Neukölln erstellte.

Im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses legten drei Tage später, am vergangenen Montagvormittag, Innensenator Andreas Geisel zusammen mit Polizeipräsidentin Barbara Slowik und dem Leiter des Staatsschutzes im Landeskriminalamt Berlin, André Rauhut, eine neunseitige Kurzfassung des Zwischenberichtes der BAO Fokus vor. Hinter der rechtsextremen Anschlagsserie in Neukölln steht nach Einschätzungen der Polizei kein überregionales Netzwerk von Neonazis. Wörtlich heißt es in der öffentlichen Kurzfassung: “Es konnten bisher keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zum Fall Holland und anderen Tötungsdelikten festgestellt werden. Die Prüfung im Fall Bektas ist noch nicht abgeschlossen. Auch zu den Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke und dem Anschlagsgeschehen in Halle gibt es keine Hinweise auf mögliche Zusammenhänge.“

=Christian Kölling=