„Neukölln armenisch“: Wissenwertes über Armenien im Interkulturellen Zentrum Genezareth

„Neukölln International“ heißt eine Reihe des Interkulturellen Zentrums Genezareth (IZG), die den unterschiedlichen Kulturen im Bezirk regelmäßig ein Forum gibt sowie zu Begegnung und zum Austausch mit ihnen einlädt. Derzeit steht Armenien im Fokus der Veranstaltungsreihe. „Die Geschichte der Armenier reicht zurück bis in die prähistorische Zeit. Laut der biblischen Schöpfungsgeschichte ist die Arche Noahs ‚in den Bergen von Ararat‘ gelandet“, erklärte mir Pfarrer Dr. Reinhard Kees, Leiter des IZG, am Donnerstag beim Informations- und Begegnungsabend zur Vernissage. Unter dem Motto „Kultur zwischen Orient und Okzident“ werden Fotos, Ikonen sowie Ausstellungtafeln zur armenischen Kultur und Geschichte bis zum 2. April am Herrfurthplatz gezeigt. Begleitend zur Ausstellung gibt es Themenabende über die armenische Kultur und Geschichte sowie Konzerte, Lesungen und Filmabend.

„Als im Römischen Reich noch die Christen grausam verfolgt wurden, ließ sich 301 der armenische König Trdat III taufen. Das erste christliche Königreich entstand“, berichtete Kees weiter: „Immer wieder wurde das armenische Volk zwischen den Großmächten im Westen, im Osten, im Norden und im Süden aufgerieben und aufgeteilt. Die Sprache, die Bildung und der Glaube haben das Volk vor dem Untergang bewahrt. Das heutige Armenien hat nur noch 10 Prozent der Fläche des ehemaligen Armenien. Von den 9 Millionen Armeniern weltweit leben nur 3 Millionen in der heutigen Republik Armenien.“ Heute hat das Land gemeinsame Grenzen mit der Türkei, Georgien, Aserbaidschan und dem Iran. Der Berg Ararat liegt an der westlichen Grenze im militärischen Sperrgebiet der Türkei. Die Beziehungen zum östlichen Nachbarn Aserbaidschan sind wegen des Konflikt um die Region Berg-Karabach ebenfalls angespannt. Gute Beziehungen bestehen dagegen zu den Nachbarn Georgien und Iran im Norden und Süden des Landes.

Dr. Christian Nottmeier, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln, erinnerte in seinem Grußwort an den Völkermord, der 1915/16 an den Christen im Osmanischen Reich verübt wurde. Obwohl die osmanischen Militärbehörden während des Höhepunktes der Vernichtung ein strenges Fotografierverbot verhängten, setzten sich couragierte Zeitzeuge wie der Reiseschriftsteller und Pazifist Armin T. Wegner über das Verbot hinweg und dokumentierten die Gräueltaten mit der Kamera. Eine Fotoausstellung zum Völkermord an den Armeniern ist Bestandteil der Ausstellung „Neukölln armenisch“.

Der armenische Botschafter S.E. Ashot Smbatyan wies in seiner Rede darauf hin, dass zwischen 3.000 und 4.000 Armeniern in Berlin auch fern von der Heimat ihre Sprache, Kultur und Religion pflegen. Das armenische Volk ist eine Bildungsnation. Die erste armenische Bibel stellte Mesrop Maschtoz gemeinsam mit anderen Kirchengelehrten bereits im Jahr 435 fertig. Da Armenisch bis dahin keine Schriftsprache war, entwickelte er ein 36-buchstabiges Alphabet für die armenische Sprache. Martin Luther übersetzte dagegen erst 1101 Jahre später die Bibel ins Deutsche. Lilit Hakobyan und Masis Arakelian, die während des Begegnungsabends die Arbeit der im Bezirk Charlottenburg ansässigen, armenischen Sonntagsschule „Giteliq“ (Wissen) vorstellten, unterstrichen den hohen Stellenwert der Bildungs- und Kulturarbeit in der armenischen Gemeinde bis in die Gegenwart. Musik sowie sowie ein Buffet mit landestypischen Speisen und Getränke rundeten den informationsreichen Begegnungsabend ab.

Am heutigen Sonntag findet um 10 Uhr in der Genezareth-Kirche ein Sprengel-Gottesdienst mit Begegnung mit den Armenischen Gemeinden von Berlin, unter Mitwirkung des Chores und Archimandrit Yeghishe Avetisyan statt.

Die Foto-Ausstellung „Leben, Loben und Leiden zwischen Orient und Okzident“ ist noch bis zum 2. April im Interkulturellen Zentrum Genezareth (Herrfurthplatz 14) zu sehen; Öffnungszeiten: montags bis samstags 12 – 18 Uhr, sonntags 15 – 18 Uhr.

Das vollständige Programm der Veransatltungsreihe „Neukölln armenisch“ unter https://www.sprengel-nordwest-neukoelln.de/izg

=Christian Kölling=