Hunderte demonstrierten vor dem Rathaus Neukölln für die Griessmühle

Große Augen und Ohren bekamen gestern die Passanten rund um das Rathaus Neukölln: 500 Raver sorgten vor dem Beginn der turnusmäßigen Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung auf dem Rathaus-Vorplatz bis zum Einbruch der Dunkelheit mit elektronischer Tanzmusik für gute Stimmung. Doch der Anlass der Kundgebung war ernst, denn der aktuelle Mietvertrag des Neuköllner Kulturstandorts Griessmühle an der Sonnenallee 221 endet am 31.01.2020 und wird vom Eigentümer des Geländes nicht verlängert. „Die Berliner Clubszene ist am Aussterben. Mit der angekündigten Schließung der Griessmühle spitzt sich das Unheil zu. Wenn wir jetzt nicht handeln, verschwindet damit noch ein weiteres Stück Berliner Club-Kultur!“, beklagen die Initiatoren der Online-Petition #savegriessmuehle, bei der schon über 40.000 Unterschriften gesammelt wurden.

Der Neuköllner Landesparlamentarier Georg P. Kössler, u. a. Sprecher für Clubkultur der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sicherte den Kundgebungsteilnehmern seine Unterstützung zu und ermunterte sie, sich kräftig für den Erhalt der Griessmühle in die Politik einzumischen. Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der ebenfalls zu den Techno-Fans sprach, erklärte: „Das Bezirksamt wird sich auch weiterhin parteiübergreifend dafür einsetzen, dass Clubs in Neukölln eine Heimat finden. Mit dem SchwuZ ist das bereits gelungen, und ich wünsche mir, dass es auch für die Griessmühle eine langfristige Lösung geben wird.“ Auch Hikels Parteifreund, der Neuköllner SPD-Bundestagabgeordneten Dr. Fritz Felgentreu war zur Kundgebung gekommen.

Mit breiter Mehrheit beschlossen die BVV-Fraktionen von SPD, CDU, Grünen und Linken im Rathaus dann die Entschießung „Griessmühle retten!“. Darin heißt es u. a.: „Die Bezirksverordnetenversammlung Neukölln appelliert an den derzeitigen Eigentümer des Grundstücks an der Sonnenallee 221, sowie den potentiellen Erwerber des Geländes, den vorhandenen Club Griessmühle zu erhalten. Dieses kulturelle Zentrum hat sich einen Ruf weit über die Grenzen der Stadt hinaus erarbeitet und ist auch durch verschiedene Formate direkt im Kiez und in der Berliner Kulturszene involviert.“ Die Neuköllner Griessmühle hat augenblicklich fast 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

„Es wäre für die Berliner Clubkultur, den Neuköllner Kiez aber auch für Berlin als Ganzes ein großartiges Zeichen, sollte es gelingen, auf dem Gelände Sonnenallee 221 eine Co-Existenz von Clubkultur und der angedachten gewerblichen Nutzung zu ermöglichen“, erklärt die breite Mehrheit der Bezirksverordnetenversammlung und fordert: „Sollte eine derartige einvernehmliche, für den Bezirk und Berlin wünschenswerte Lösung nicht möglich sein, appellieren wir an den derzeitigen Eigentümer sowie den potentiellen Käufer, dem Kulturzentrum Griessmühle eine faire Übergangsfrist einzuräumen, um einen Rückbau des vorhandenen Equipments zu ermöglichen.“

“Aktuell”, sagte mir der Grüne Club-Sprecher Kössler, “wird es am 3. Februar eine Abschluss-Party auf dem alten Gelände der Griessmühle geben. Dann geht die Griessmühle ins ‚Exil‘ nach Lichtenberg oder Mitte und kehrt hoffentlich bald wieder nach Neukölln zurück.”

=Christian Kölling=