„Wir sind alt, aber noch nicht tot“: Gedanken über Klimakrise und Generationenkonflikt zum Ende des Jahres

Eine Ikone des Postpunk schuf die Fotografin Pennie Smith, die im September 1979 bei einem Konzert der Band „The Clash“ auf den Auslöser ihrer Kamera drückte, kurz bevor der Bassist Paul Simonon sein Instrument auf der Bühne des Paladium in New York zertrümmerte. Die Momentaufnahme lässt ahnen, wie der gebückte Musiker sein Instrument, das er hoch über dem Kopf schwingt, im nächsten Augenblick auf den Boden schlagen wird. Als Titelbild des Albums „London Calling“ wurde das Foto weltberühmt.

Leicht verändert begegnete mir das ikonische Motiv am vorletzten Sonnabend in der Sonnenallee bei der Demonstration „Kein Platz für Nazis“. Ein Mann trug hinten auf seiner Jacke einen großen Aufnäher, der zeigt, wie in der Manier des Bassisten Simonon gleich ein Rollator auf dem Boden zerschellen wird. „Wir sind alt, aber noch nicht tot“, ist die Bildmontage in Großbuchstaben umrahmt.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme konnte ich nicht ahnen, dass kaum zwei Tage später ein Tweet der Fridays For Future-Bewegung für Empörung und viel Gesprächsstoff sorgen wird. „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei“, hatten die Aktiven geschrieben. Der Tweet wurde aber bald als Satire bezeichnet und im Lauf des Tages folgte eine Entschuldigung. „Jeder kann froh sein, seine Eltern, Großeltern und übrige Familie so lange um sich zu haben, wie es geht. Wer das nicht verstanden hat, hat Weihnachten nicht verstanden“, kommentierte auch der Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke als einer unter vielen den Aufreger-Tweet bei Facebook.

Die Generation Postpunk galt in ihrer Zeit übrigens im Vergleich zu früheren Generationen bereits als angepasst. Musikalisch war Postpunk allerdings eine Befreiung, weil er Reggae, Rockabilly, Ska, Pop, Hard Rock und viele andere Musikrichtungen aufnahm, sofern sie nur nicht an die vorangegangene Dominanz des Punk oder an das Rock-Gedudel der 1950er und 1960er Jahre erinnerten.Trotz gefälliger Melodien waren die Texte der Lieder kritisch. Der Titelsong des Albums „London Calling“ schildert beispielsweise ein Endzeitszenario, zu dem Krieg, Hungersnot, Klimakollaps, Flutkatastrophe und Nuklearunfall gehören.

Das Facetten Magazin Neukölln wünscht Jung und Alt ein gesundes, zufriedenes und glückliches Jahr 2020 mit vielen lebendigen Diskussionen.

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