Neuköllner Ehrennadeln 2019 verliehen

„Das gute Beispiel ist nicht nur eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen. Es ist die einzige.“ Keinen geringeren als Albert Schweitzer konnte der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Lars Oeverdieck (r.) zitieren, als er bei der diesjährigen Verleihung der Neuköllner Ehrennadel in seiner Eröffnungsrede sechs Personen würdigte, die sich in besonderer Weise um Neukölln verdient gemacht haben. „Es ist eine große Ehre und Freude, Menschen die Ehrennadel unseres Bezirks zu verleihen. Sie sind Neuköllner Leuchttürme, Vorbilder, sie sind Botschafterinnen und Botschafter unseres Bezirks. Sie bereichern unsere Kieze und machen Neukölln noch lebenswerter“, schloss sich Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der eigens zum feierlichen Anlass seine Amtskette angelegt hatte, der Würdigung des BVV-Vorstehers an. Die jährliche Verleihung der Ehrennadel ist die höchste Ehrung des Bezirks Neukölln an seine Bürgerinnen und Bürger. Seit 1984 wurden bisher 176 Auszeichnungen verliehen. In diesem Jahr wurden Dr. Ingrid Munk, Michael Freiberg, Renate Bremmert, Holger Kratzat, Beate Storni und Heinz Ostermann ausgezeichnet.

Als Chefärztin an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Vivantes Klinikum Neukölln hat Dr. Ingrid Munk seit 2007 umfassend zur Verbesserung der Lebensumstände von psychisch erkrankten Menschen in Neukölln beigetragen. So hat sie maßgeblichen Anteil an den innovativen Wohnprojekten für schwer erkrankte Wohnungslose in Neukölln und trug erheblich zum Neubau der bald eröffnenden psychiatrischen Station im Klinikum Neukölln bei.

Michael Freiberg hat sich neben seinen umfangreichen Tätigkeiten innerhalb der Berliner Verwaltung und Politik vor allem als erster Vorsitzender des Freilandlabor Britz e. V. einen Namen gemacht. Das Freilandlabor ist seit 2017 mit einem Umweltzentrum und anderen Standorten im Britzer Garten sowie auf dem Tempelhofer Feld präsent.

Renate Bremmert gehört zu den Mitbegründerinnen des Vereins Alte Dorfschule Rudow, der die Alte Dorfschule zu einem florierenden Kulturzentrum im Süden des Bezirks ausgebaut hat. In Rudow ist sie darüber hinaus in zivilgesellschaftlichen Bündnissen aktiv. Bremmert war von 1986 bis 2003 die erste Frauenbeauftragte im Bezirksamt Neukölln. Sie verhalf dem Amt auch über Berlin hinaus zu Anerkennung und setzte sich u. a. dafür ein, dass 1996 in einem Neubaugebiet in Rudow deutschlandweit das erste Frauenviertel entstand, in dem alle 20 Straßen und Plätze nach Frauen benannt sind.

Holger Kratzat ist nach einem schweren Unfall seit über 30 Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Seit 2013 ist er als Rollstuhlfechter aktiv. Sensationell wurde er 2015 in seiner Klasse auf Anhieb Deutscher Meister im Florettfechten und belegte den dritten Platz im Degenfechten. Seitdem träumt er davon, einmal an den Paralympischen Spielen teilnehmen zu können, ist aber auf Sponsoren angewiesen, um an den erforderlichen Qualifikationswettkämpfen teilnehmen zu können. Mit bezirklichen Mitteln aus der Stiftung Deutsche Klassenlotterie konnte Kratzert einen Fechtrollstuhl anschaffen, der für die Teilnahme an Wettkämpfen vorgeschriebenen ist. In den beiden Folgejahren wurde er Vize-Meister und 2018 Deutscher Meister im Degenfechten. Holger Kratzat, der im Diakoniehaus Britz lebt, ist aber nicht nur ein beeindruckendes Vorbild für Menschen mit einer Behinderung. Er ist ganz selbstverständlich auch ehrenamtlich im Kiez, wie z. B. in der Tee- und Wärmestube Neukölln, engagiert.

Beate Storni ging im Schillerkiez schon zur Grundschule und ist Neuköllnerin durch und durch. Seit bald vier Jahrzehnten engagiert sie sich in unzähligen Projekten ehrenamtlich im Bezirk – sei es als Vorsitzende des Bezirkselternausschusses, als Vorstandsmitglied im Verein Haus 104 Tempelhofer Feld oder im Quartiersrat Schillerkiez. Besonders als Mitglied im Quartiersrat hat sie nachbarschaftliche Strukturen aufgebaut und damit die Grundlage für den Dialog miteinander und gemeinsame Aktivitäten gelegt. Last not least schreibt sie regelmäßig für Kiez und Kneipe Neukölln, das monatliche Lokalblatt von Neuköllnern für Neuköllner.

Heinz Ostermann führt seit 12 Jahren in Rudow die Buchhandlung Leporello, die dank seines Engagements inzwischen vom Bundesverband des Deutschen Buchhandels als „ausgezeichneter Ort der Kultur“ auserwählt wurde. Er organisiert seit acht Jahren die Veranstaltungsreihe „Rudow liest“ und ist am LiteraTour Festival Neukölln mit seiner Buchhandlung beteiligt. Ostermann setzt sich – trotz Einschüchterungsversuchen durch Rechtsextremisten – darüber hinaus in seinem Stadtteil ehrenamtlich für ein friedliches Zusammenleben ohne Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung ein.

=Christian Kölling=

%d Bloggern gefällt das: