Kein Gebot für das Haus Boddinstraße 20

Mit einem Mindestgebot von 6,8 Millionen Euro sollte am vergangenen Sonnabendvormittag im Auktionshaus Karhausen AG die Versteigerung des Wohnhauses Boddinstraße 20 beginnen. Mieterinnen und Mieter des sanierungsbedürftigen Hauses, in dem 24 Mietparteien leben, hatten zufällig von dem Auktionstermin erfahren. Spontan mobilisierten sie zum Protest vor dem Auktionshaus in der Friedrichstraße 180, um die potenziellen Bieter vor dem Zustand ihres Wohnhauses zu warnen und um möglichen Spekulanten klarzumachen, dass die Hausgemeinschaft am Boddinplatz ihre Rechte kennt und sie auch nutzt. „Wer B20 kauft, kauft Widerstand“ stand auf einem Plakat, „Investor mit Herz gesucht“ auf einem anderen. Seit 2017 hat der Bezirk Neukölln bereits in neun Fällen sein Vorkaufrecht in Milieuschutzgebieten ausgeübt, um die Bewohner im Norden Neuköllns vor Verdrängung zu schützen.

„Unser Haus ist nicht verkauft worden. Es hat sich kein Bieter gefunden“, teilte mir Mieterin Pearl von Weber nach dem Ende der Auktion mit. Der Stress, der mit dem zeitaufwändigen und nervenzerrenden Verfahren für die Ausübung des Vorkaufrechts verbunden ist, bleibt den Mietern der Boddinstraße 20 also erst einmal erspart. Viel Enttäuschung und Wut war dagegen erst kürzlich bei den Mietern des Hauses Leinestraße 8 entstanden, die lange darauf gehofft hatten, dass für ihr Haus das bezirkliche Vorkaufsrecht ausübt wird. Dem Bezirk unterlief aber ein Verfahrensfehler, weil eine Frist nur knapp verpasst wurde. Neukölln musste vom Hauskauf zurücktreten und statt der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo ist nun die die Liechtensteiner Aramid GmbH und Co. KG der neue Hauseigentümer.

Erfolgreich gingen Anfang Dezember dagegen die Häuser Kottbusser Damm 78 / Pflügerstraße 82 im Milieuschutzgebiet Reuterplatz sowie Sonnenallee 154 im Milieuschutzgebiet Rixdorf in den Besitz der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land über, wie Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann kürzlich in einer Pressemitteilung erklärte. „In vier weiteren Fällen, in denen Neukölln das Vorkaufsrecht ausgeübt hat, sind noch Gerichtsverfahren anhängig. Zusätzlich konnte der Bezirk in den vergangenen Jahren 30 sogenannte Abwendungsvereinbarungen mit Käufern schließen“, teilte Biedermann zudem mit.

Am 19. Dezember um 19 Uhr lädt das Syndikat zur Kiezversammlung zum Thema „Wie weiter nach dem Urteil?“ ein: Am 26.11. wurde vom Landgericht Berlin das Räumungsurteil gegen die Kiezkneipe Syndikat erlassen. Das Kneipenkollektiv informiert über den Inhalt des schriftlichen Urteils und erläutert, welche juristischen Mittel jetzt noch ausgeschöpft werden können, um in den Räumen bleiben zu können oder zumindest eine Räumung möglichst lange hinaus zu zögern.

=Christian Kölling=