Kati Gausmann macht in der Ausstellung „dancing dough and circumstances“ Bewegungen der Erde sichtbar

Am Kai von Andenes im Norden Norwegens, 69 Grad nördlicher Breite, geht die Sonne zwischen Mitte Mai und Mitte Juli praktisch nicht unter. Ein idealer Ort für die Arbeit der Künstlerin Kati Gausmann, die seit 12 Jahren mit ihren Feldarbeiten in Norwegen, auf Island und in den spanischen Hochpyrenäen die räumlichen und zeitlichen Relationen von Erdbewegungen sowie deren Spuren in Landschaftsformen und Landschaftsstrukturen erforscht. „Mich faszinieren geolologische Prozesse und die Tatsache, wie wenig wir von den Erdbewegungen wahrnehmen, in die wir unausweichlich eingebunden sind. Ich suche nach Spuren dieser Bewegtheit“, sagte mir Gausmann am vergangenen Freitagabend, nachdem die Einzelausstellung der Neuköllner Künstlerin unter dem Titel „dancing dough and circumstances“ in der Galerie im Saalbau mit einer Einführung der Kunsthistorikerin Dr. Helen Adkins eröffnet worden war.

Eine einfache Fischerkugel, die Kati Gausmann gefunden hatte, stellte sie am Kai von Andenes für eine Arbeit ihres Nordlicht-Projektes auf die Erdoberfläche und zeichnete einen Tag lang im viertelstündigen Abstand den Schatten nach, den die Kugel auf den Boden warf. Da die Sonne unaufhörlich ihren Stand ändert, veränderten sich je nach Sonnenstand die Schattenformen. „Nach 22 Stunden bedeckten aber Wolken den Himmel. Die Schatten verschwanden und ich musste die Arbeit abbrechen“, sagte Gausmann und erklärte damit, warum in der rhythmischen Schattenzeichnung eine Lücke klafft.

Neben der Erdrotation untersucht Gausmann mit ihren künstlerischen Arbeiten vor allem auch die Spuren der geologischen Bewegungen auf der Erde. Der Titel der Ausstellung „dancing dough and circumstances“ heißt auf Deutsch übersetzt „Tanzender Teig und Umstände“. Er ist als Hinweis auf die geologischen Bewegungen der Erde zu verstehen, die mit den Wandlungen eines gekneteten Teigballens vergleichbar sind. Auf einer knapp fünf Meter breiten Zeichnung im Mittelraum der Galerie werden 27 unterschiedliche Zustände nachgezeichnet, die die Erde in den vergangenen 600 Millionen Jahren infolge der Kontinentalverschiebung durchlaufen hat. Mit den Mitteln der Abformung (Molding) und der Frottage, einem grafischen Verfahren, bei dem Papier auf einen prägenden Untergrund gedrückt wird, wurden geologische Formationen auf Island festgehalten. Die Plattendrift beträgt dort durchschnittlich 2 Zentimeter pro Jahr.

Die Ausstellung wird noch bis zum 19. Januar 2020 in der Galerie im Saalbau (Karl-Marx-Straße 141) gezeigt; Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 20 Uhr. Ein Audioguide der Autorin Laurence Ermacova kann kostenlos ausgeliehen werden.

Heute sowie am 18. Dezember und 8. Januar jeweils um 18 Uhr lädt Kati Gausmann zu einer Führung durch ihre Ausstellung ein. Zur Finissage am 19. Januar findet um 17 Uhr ein Gespräch von Dr. Hanne Loreck mit der Künstlerin statt.

=Christian Kölling=