Gewalt gegen Frauen darf kein Tabuthema bleiben

Phantasievoll gestaltete Handpuppen und eine Kiste voll mit bunten Kostümen für Kinder übergab die Textilwerkstatt des Yopic e. V. aus der Lahnstraße gestern Vormittag auf dem Platz vor dem Rathaus Neukölln an die Mitarbeiterinnen der Frauen-Zufluchtswohnungen des ZUFF e. V..

Rund 2.000 Frauen und fast ebenso viele Kinder fanden seit 1983 in den Wohnungen von ZUFF Schutz und ein vorübergehendes Zuhause. Auch die Kinder der Bewohnerinnen der Einrichtung haben häufig Gewalt erlebt und erlitten. Entweder wurden sie selbst bedroht, geschlagen, misshandelt oder missbraucht, oder sie waren Zeugen der Gewalt und Aggressionen gegen die Mutter oder Geschwister.

Den offiziellen Anlass für das Treffen auf dem Rathaus Vorplatz bot der internationale Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“ am Montag. Im Vorfeld des Tages hissten Bezirksbürgermeister Martin Hikel, die Neuköllner Gleichstellungsbeauftragte Sylvia Edler sowie die Britzer SPD-Abgeordnete Derya Çağlar bereits Freitagvormittag zwei Fahnen als sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Um das Schweigen über die – oft im privaten Raum stattfindende – Gewalt zu durchbrechen, gibt es seit 2004 rund um den 25. November eine berlinweite Öffentlichkeitskampagne, damit Gewalt gegen Frauen nicht länger ein Tabuthema bleibt. Die Mitarbeiterinnen der Frauenzufluchtwohnungen wiesen darauf hin, dass wissenschaftlichen Studien zufolge die Gewalt gegen Frauen und Kinder im häuslichen Bereich die am wenigsten kontrollierte, die am weitesten verbreite und die am meisten unterschätzte Form von Gewalt sei. Eine Überwindung der Gewaltverhältnisse sei nur möglich, wenn die Auseinandersetzung mit der Gewalt und eine Bewusstseinsveränderung auf vielen Ebenen stattfände. Auf der politischen Ebene sei es wichtig, dass Gewalt gegen Frauen geächtet wird.

=Christian Kölling=