„Neukölln hat eine lebendige Zivilgesellschaft“

Immer im November lädt die Herrnhuter Brüdergemeine Berlin zu ihrer Veranstaltungsreihe „Reden in der Kirchgasse“. In diesem Jahr lautet die gemeinsame Überschrift der beiden Reden „Kirche in Neukölln. Chancen und Herausforderungen in einem sich rasant ändernden Umfeld“.

„Wie gut funktioniert die Ökumene der christlichen Kirchen im Bezirk?“ und „Gibt es nicht nur interkulturelle, sondern auch interreligiöse Begegnungen mit dem Islam?“, wollten Moderator Michael Barker (r.) und die Veranstaltungsgäste am vergangenen Montagabend von Pfarrer Dr. Reinhard Kees erfahren, der zum Thema „Kirche herausgefordert in Neukölln“ sprach.

„Die interreligiöse Arbeit ist mir zugeflogen“, sagte Kees, der seit September 2017 das Interkulturelle Zentrum Genezareth leitet und zuvor Afrika-Referent der evangelischen Kirche war. Aus dem Schillerkiez teilte der Pfarrer gegensätzliche Beobachtungen aus dem religiösen Leben mit: Einerseits konnten die Gemeindekirchenratswahlen in der Genezareth-Gemeinde wegen mangelnder Beteiligung nicht abgehalten werden. Andererseits leben im Schillerkiez inzwischen viele zugewanderte Christen, deren Religionsgemeinschaften in ganz Neukölln oft große Raumprobleme haben.

„Neukölln hat eine lebendige Zivilgesellschaft“, lobte Kees und wies dabei ausdrücklich auf die gute Arbeit der „Bürgerplattform Wir in Neukölln“ hin, die u. a. an der Schaffung eines Begräbnisfeldes für islamische Bestattung auf dem landeseigenen Friedhof an der Lilienthalstraße beteiligt war. Die Bürgerplattform pflege seiner Erfahrung nach eine ausgezeichnete interkulturelle Zusammenarbeit. Nur im Migrations- und Integrationsbeirat der BVV Neukölln sei das Miteinander vergleichbar gut gelungen.

„Das Interkulturelle Zentrum Genezareth ist gleichermaßen ein Ort und eine Idee. Wir wollen an diesem Ort möglichst viele Begegnungsanlässe für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung ermöglichen“ sagte Kees und erinnerte u.a. an den Abend zum 70. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte im Dezember 2018. Kees wies ausdrücklich darauf hin, dass zu den vielen Begegnungsmöglichkeiten auch ein interreligiöser Lesekreis gehört, in dem Christen und Muslime gemeinsam in Bibel und Koran lesen.

Heute Abend um 19:30 Uhr spricht Bezirksbürgermeister Martin Hikel bei „Reden in der Kirchgasse“ in der Herrnhuter Brüdergemeine (Kirchgasse 14 – 17) zum Thema „Kirche verankert in Neukölln“

=Christian Kölling=