„Bullshit-Resistenz“: Ein engagiertes Plädoyer für den kritischen Verstand als Kardinaltugend des 21. Jahrhunderts

Ein falsches Wort, zur falschen Zeit, am falschen Ort konnte schon immer viel Schaden anrichten. Mit der Allgegenwart sozialer Medien hat sich heute aber die Gefahr erhöht, dass Texte, Bilder und Videos, die aus Unachtsamkeit oder absichtlich im Internet veröffentlicht werden, zum Auslöser gefährlicher Konflikte werden. Trottel, Lügner und Bullshiter, die „Unfug aller Art“ (englisch: Bullshit) im Internet veröffentlichen und weiterverbreiten, will der Philosoph und Autor Philipp Hübl mit seinem 100 Seiten starken Bestseller „Bullshit-Resistenz“ deshalb in die Schranken weisen. Neue Gesetze oder weitere staatliche Kontrolle beurteilt er allerdings skeptisch: „Wir können die Beurteilung von Informationen nur bis zu einem bestimmten Punkt delegieren“, warnt Hübl und verlangt stattdessen ganz im Sinn der philosophischen Aufklärung: „Die Verantwortung für die Wahrheit liegt bei jedem einzelnen selbst.“

„Bullshit“ bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch – wie im englischen – alles, was falsch, gelogen, irreführend, unverständlich oder einfach so daher gesagt ist. Gemeint sind mit dem vielbenutzten Wort, das inzwischen sogar zum philosophischen Fachbegriff geworden ist, also Lügen, Fake News, Verschwörungstheorien, Pseudowissenschaften und Geschwurbel. „Ein Bullshiter will andere Leute nicht dahingehend täuschen, dass sie etwas Falsche denken. Er will vielmehr einfach mitreden und dabei informiert und gebildet wirken, obwohl er tatsächlich keinen blassen Schimmer hat“, verweist Hübl auf die Erkenntnisse des Philosophen und Bullshit-Experten Harry G. Frankfurt.

Warum verbreitet sich Bullshit so schnell? „Gefälschte Nachrichten müssen nur ein Kriterium erfüllen. Sie müssen die Aufmerksamkeit maximal binden, also rührend, spannend, schockierend oder wenigstens überraschend sein. Bei wahren Nachrichten ist das nur manchmal der Fall, daher wird es die Wahrheit auf dem Nachrichtenmarkt immer schwerer haben als der Bullshit“, schreibt Hübl. Aber was ist Wahrheit, gibt es sie überhaupt?!

Hier kennt der Verfechter des Kausalprinzips und der Gegner mentaler Kurzschlüsse, die auf Entscheidungen aus dem Bauchgefühl beruhen, keinen Zweifel: „Gäbe es keinen Unterschied zwischen Tatsachenbehauptungen und Lügen, dann könnten wir nicht mehr über Arbeitslosenzahlen, Wirtschaftswachstum oder die Einkommensverteilung sprechen, geschweige denn über Gerechtigkeit und über Maßnahmen, um die Zustände zu verbessern. Dann gäbe es auch keine Politik mehr.“

Alle, für die der Widerstand gegen Fake News und Manipulation im Netz wichtig ist, sollten Philipp Hübls Buch „Bullshit-Resistenz“ kennen.

=Christian Kölling=

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