Fritz Felgentreu als Paketbote in der Hermannstraße unterwegs

Für einen Tag praktische Erfahrungen aus der Arbeitswelt sammeln und den Horizont erweitern: Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Felgentreu arbeitet regelmäßig eine Schicht lang in einem Betrieb, einer Pflegeeinrichtung oder in einer anderen Institution des Bezirkes, um am eigenen Leib zu spüren, wie das ist, wenn man acht Stunden lang die Arbeit eines anderen Menschen macht. Vorgestern traf ich den Sozialdemokraten am U- und S-Bahnhof Hermannstraße als er die komplette Schicht eines Paketzustellers in Nord-Neukölln begleitete.

„Die Treppenhäuser in der Hermannstraße rauf und runter laufen, das kenne ich aus dem Wahlkampf“, zog Felgentreu eine spontane Zwischenbilanz, nachdem er gemeinsam mit dem DHL-Paketboten Ferhat Tembel die ersten Sendungen ausgeliefert hatte. „Erst in der vergangenen Woche hat der Bundestag das Paketboten-Schutz-Gesetz beschlossen“, berichtete der Parlamentarier und erläuterte weiter. „Das Gesetz regelt die Nachunternehmerhaftung für Subunternehmer in der Kurier-, Express- und Paketbranche. Damit werden große Paketdienste verpflichtet, für nicht gezahlte Sozialabgaben ihrer Subunternehmer aufzukommen.“ Der Entwurf der Bundesregierung fand nach einer 45-minütigen Debatte am Ende nicht nur die Zustimmung bei den Fraktionen der CDU/CSU und SPD, sondern wurde auch von Grünen und Linken getragen. Die AfD votierte dagegen, die FDP enthielt sich.

„Wir zahlen 13.65 Euro als Stundenlohn zum Einstieg“, sagte Tina Birke, Pressesprecherin der Deutsche Post DHL Group in Berlin, die ebenfalls zum Termin in die Hermannstraße gekommen war. Dieser Verdienst liegt nicht nur weit über dem gesetzlichen Mindestlohn von 9.19 Euro, sondern auch deutlich über dem Stundenlohn von annähernd 12 Euro, den Armutsforscher hierzulande als existenzsichernd ansehen. 11,68 Euro entsprechen aktuell 60 Prozent vom Median der Stundenlöhne in Deutschland.

=Christian Kölling=