Die Auszeichnung der ZLB als „Bibliothek des Jahres“ strahlt auch nach Neukölln aus

1,5 Millionen Besucher aus der ganzen Stadt zählt die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) jährlich in ihren beiden Niederlassungen, die die Berliner Stadtbibliothek in der Breite Straße in Mitte sowie die Amerika-Gedenkbibliothek am Kreuzberger Blücherplatz sind. Letzten Donnerstag, am „Tag der Bibliotheken“, wurde die ZLB im Festsaal des Berliner Rathauses mit dem bundesweiten Preis „Bibliothek des Jahres“ während einer musikalisch begleiteten Feierstunde ausgezeichnet. Überreicht wurde die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung von Dr. Thomas de Maizière, MdB und Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung sowie von Dr. Frank Mentrup, Präsident des Deutschen Bibliotheksverbandes und Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe.

Die Jury würdigte mit der Entscheidung, dass die ZLB mit ihren partizipativen Angeboten und digitalen Services laufend auf die gesellschaftlichen und medialen Veränderungen reagiert und sich so als öffentlichen Ort mitten in der Stadtgesellschaft positioniert.

Katrin Budde, MdB und Vorsitzende des Kulturausschusses des Deutschen Bundestags sowie Dr. Klaus Lederer, Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa, sprachen auf der Bühne mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ZLB über das Bibliothekswesen allgemein und speziell über die Zukunft ihrer Bibliothek. „Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin bietet nicht nur allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich analog und digital zu informieren und weiterzubilden. Die Bibliothek ist auch ein wunderbarer Ort der Begegnung und des Austausches über Kunst und Kultur“, sagte Budde. Lederer wies auf den geplanten Neubau der ZLB am Blücherplatz hin: „Das Land Berlin hat den Weg frei gemacht für einen Bibliotheksstandort, der allen Ansprüchen an eine moderne, zukunftsoffene und sehr lebendige Bibliothek des 21. Jahrhunderts gerecht wird. Die Zusammenführung der ZLB am Standort Blücherplatz setzt ein deutliches Zeichen für die kulturelle Bildung und lebenslanges Lernen. Nichts ist heute so wichtig wie Wissen und dessen Anwendung in Vernetzung, Austausch und Begegnung.“

Die Journalistin und Schriftstellerin Hatice Akyün, die die Laudatio hielt, erinnerte sich, wie ihr während der Schulzeit in Duisburg ein Bus der Stadtbücherei die Welt der Bücher nahe brachte. Schon damals war die Bücherei aber nicht nur Wissensspeicher, sondern auch ein Ort der Begegnung, wo es Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und zusätzliche Angebote mit gemeinschaftsbildenden Funktionen gab. Heute ist die Bibliothek als ein dritter Ort der Begegnung neben dem Arbeitsplatz und der Nachbarschaft noch wichtiger geworden. Karin Korte, Neuköllner Bezirksstadträtin für Bildung, Schule und Kultur, mit der ich nach der Feierstunde beim Empfang im Wappensaal sprach, erläuterte, wie die Stadtbibliothek und ihre Außenstellen im Verbund der öffentlichen Bibliotheken Berlin (VÖBB) zusammengeschlossen sind. Zusätzlich ist die Arbeit der Stadtbibliothek punktuell mit den Angeboten der Volkshochschule und des Museums Neukölln abgestimmt. So eröffnete Korte beispielsweise gemeinsam mit Bibliotheksleiterin Evelyn Stussak und Museumsleiter Dr. Udo Gößwald im August 2018 in der Helene-Nathan Bibliothek die Ausstellung „Verdrängte Geschichte – Spuren kolonialer Vergangenheit in Neukölln“. Aktuell ist die Ausstellung im Gebäude der VHS Neukölln zu sehen, parallel zu einem Kursangebot, das sich mit deutscher Kolonialvergangenheit beschäftigt.

Wichtig ist nicht zuletzt auch eine Vernetzung mit anderen Bibliotheken im Bezirk, wie z. B. Schulbibliotheken. Mit der Abbethek wurde die frühere Schulbibliothek des Ernst-Abbe-Gymnasiums zu einem neuen Lern- und Bildungsangebot im Quartier weiterentwickelt, das gleichermaßen für Schüler, Eltern und Anwohner der Sonnenallee offen steht.

Im November müssen sich die Bibliotheksnutzer allerdings auf eine Schließwoche einrichten: Alle öffentlichen Bibliotheken in Berlin sind vom 17.11. bis 24.11.2019 geschlossen. Während der Schließwoche werden wichtige Arbeiten an den Datenbanken vorgenommen. Ab dem 25. November stehen Bibliotheken des VÖBB und die Website wieder in gewohnten Umfang zur Verfügung.

=Christian Kölling=