Lautstarker Protest vor dem Hort der Zürich Grundschule

Rund 120 Kinder aus vielen Herkunftsländern, unter ihnen auch acht Mädchen und Jungen aus einer Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft, betreut der Träger Kleiner Fratz im Hort der Zürich Grundschule in Britz. Zehn Jahre lang arbeitete die Einrichtung zuverlässig und zu aller Zufriedenheit. Doch seitdem die Rektorin Heike Esterle vor einem halben Jahr ihr Amt angetreten hat, ist die Atmosphäre zwischen den Beschäftigten des Trägers und der neuen Schulleiterin sichtlich angespannt.

Gestern Nachmittag protestierten über 50 Eltern und Kinder türkischer und arabischer Herkunft vor dem Gebäude des Hortes, während zeitgleich die Schulkonferenz der Zürich Grundschule darüber beriet, ob der Kleine Fratz wie gewohnt seine Arbeit fortsetzen kann. „Wir wollen unsern Kleinen Fratz!“, „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Kleinen Fratz klaut!“ und „Vielfalt fördern!“ riefen die Kinder. Eine Rednerin forderte unmissverständlich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hortes – so wie in der Vergangenheit auch – weiterhin das Recht haben müssen, mit Eltern und Kindern Türkisch oder Arabisch zu sprechen, wenn eine Verständigung auf Deutsch nicht möglich ist. „Deutsch als Verkehrssprache im Sinne einer Orientierung an der Schule festzulegen, um die Sprachbildung der Kinder zu fördern, ist ein legitimes Ziel, welches von den Hort-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht in Frage gestellt wird. Ein generelles Sprachverbot, stellt jedoch einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte der Betroffenen gemäß Art. 3 Absatz 1 sowie Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes dar“, kritisierte die Sprecherin. Den Hort-Mitarbeitern zu untersagen, Türkisch oder Arabisch mit Eltern und Kindern zu sprechen, die die deutsche Sprache überhaupt nicht oder noch nicht ausreichend beherrschen, sei weder angemessen noch erforderlich, um die Sprachbildung der Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, argumentierte die Rednerin weiter.

„Ich habe gerade die Nachricht bekommen, dass der Träger bleiben kann“, schrieb mir kurz vor Redaktionsschluss der Bezirksverordnete Bertil Wewer, der die Kundgebung in Britz für die Grünen-Fraktion beobachte. Einzelheiten über das Ergebnis der Schulkonferenz konnte Wewer allerdings noch nicht mitteilen.

=Christian Kölling=