Volkshochschule Neukölln sucht die Spuren kolonialer Vergangenheit im Bezirk

„Der Kolonialismus des späten Kaiserreichs ging auch an Neukölln nicht spurlos vorüber und ist noch heute an verschiedenen Orten im Bezirk gegenwärtig. Doch fällt es mitunter schwer, die historische Bedeutung dieser Orte zu erfassen und zu bewerten.“ Für Martin Grafe, Programmbereichsleiter Politik der VHS Neukölln, ist das ein Grund, um mit einer breit angelegten Veranstaltungsreihe einmal nach den Spuren der deutschen Kolonial-Vergangenheit im Bezirk zu suchen.

„Wir reagieren mit der Veranstaltungsreihe auf Überlegungen und Diskussionen zur Umbenennung der Wissmannstraße im Neuköllner Norden“, erklärt Grafe in einer Pressemitteilung: „Eine Spur des Kolonialismus führt in die Wissmannstraße, benannt nach Hermann von Wissmann, der zu Lebzeiten vielen als ‚Deutschlands größter Afrikaner‘ galt, da er sich durch Afrikaexpeditionen und siegreiche Militäroperationen in Afrika Ende des 19. Jahrhunderts einen Namen machte. Heute jedoch werden die Schattenseiten seines Ruhms kritisch beleuchtet, insbesondere seine Verantwortung für zahlreiche Verbrechen im Namen des Deutschen Reichs“, erläutert Grafe.

Auch auf dem Garnisonfriedhof Columbiadamm ist die koloniale Vergangenheit sichtbar: Dort liegt der ‚Herero-Stein‘ samt einer im Oktober 2009 eingeweihten Namibia-Gedenkplatte. Während bis vor kurzem nur der Täter gedacht wurde, erinnert der Ergänzungsstein jetzt auch an die mehr als 50.000 von deutschen Truppen vernichteten Herero und Nama während des Aufstandes von 1904 bis 1907“, ergänzt der VHS-Programmbereichsleiter.

Unterdessen geht die Diskussion über kommunalpolitische Aufarbeitung der deutschen Kolonial-Vergangenheit weiter. Die Mitgliederversammlung von Bündnis 90/Die Grünen Neukölln beschloss Anfang Oktober einstimmig den Antrag „Decolonize Neukölln! Postkoloniales Erinnern im Bezirk“. Darin werden u. a. die Umbenennung der Woermannkehre „nach einer afrikanischen oder Schwarzen deutschen Person des antikolonialen oder antirassistischen Widerstands“ sowie „die Neugestaltung des kolonialhistorischen Gedenkensembles auf dem Garnisonsfriedhof am Columbiadamm“ gefordert.

Die Veranstaltungsreihe der VHS Neukölln im Überblick:

24.10. – 30.11.2019: Ausstellung „Verdrängte Geschichte. Spuren kolonialer Vergangenheit in Neukölln“, in Kooperation mit dem Museum Neukölln
Foyer Kurt-Löwenstein-Haus, Karlsgartenstr. 6, 12049 Berlin
Mo-Fr 9-21.30 Uhr, Eintritt frei

24.10.2019, 18-20 Uhr: Geschichtsworkshop „Koloniale Vergangenheit in Neukölln“
Raum 008, Kurt-Löwenstein-Haus, Karlsgartenstr. 6, 12049 Berlin
Leitung: Stefan Zollhauser (Historiker und Kursleiter der Volkshochschule Neukölln)
Kostenfrei, eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

05.11.2019, 17.30 Uhr Führung „Kolonialer Stadtspaziergang“
Treffpunkt: Lilienthalstraße/Columbiadamm
Führung: Stefan Zollhauser (Historiker und Kursleiter der Volkshochschule Neukölln)
Kostenfrei, eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.

Rückfragen zu den Veranstaltungen beantwortet: Martin Grafe, martin.grafe@bezirksamt-neukoelln.de, Tel. 030-902392090

=Christian Kölling=