„Fata Morgana“ zeigt drei Werkgruppen der Fotografin Franca Wohlt im Saalbau Neukölln

Realität beginnt im Kopf. Dieses Diktum regte die Franca Wohlt zu ihrer Foto-Arbeit „Reise ins Bewusstsein“ an. „Meine Mutter hat mir oft von ihrer Faszination für den Südwesten der USA erzählt. In den 1940er Jahren geboren, wuchs sie in der Blütezeit des klassischen Westerns in Deutschland auf und erlebte die 1968er Studenten- und Friedensbewegung, als das Western-Genre sein vorläufiges Ende fand“, berichtete Wohlt bei der Eröffnung ihrer Fotoausstellung „Fata Morgana“ im Saalbau Neukölln.

Mit ihrer Mutter habe sie oft diskutiert, ob ein eigenes Bild, ein “Bewusstsein” von den USA nicht genüge oder ob es einen Unterschied zwischen einer Vorstellung und der realen, sinnlichen Wahrnehmung eines Ortes gebe, berichtete die Lette-Fotografie-Absolventin, die 2017 mit ihrer Arbeit „Umland“ den dritten Platz beim Neuköllner Kunstpreis gewann. Zum 71. Geburtstag der Mutter reiste sie schließlich mit ihr in den Südwesten der USA. Die während der gemeinsamen Reise entstanden Fotografien, die jetzt im Saalbau zu sehen sind, zeigen ihre persönlichen Eindrücke von Orten und zeigen auch andere Suchende, denen Mutter und Tochter bei ihrer „Reise ins Bewusstsein“ begegneten.

Die Frage danach, was gegenwärtig wahr ist und was in Zukunft Realität sein könnte, wird auch in zwei weiteren Serien aufgeworfen, die in der Ausstellung zu sehen sind. Franca Wohlt fotografiert seit dem Frühjahr 2009 Bunkeranlagen in der Schweiz. Der Titel ihrer Arbeit „Reduit“, die im mittleren Ausstellungsraum gezeigt wird, bedeutet übersetzt Verschlag, Nische. Nach dem Ende des Kalten Krieges fand eine schleichende Privatisierung größerer Bunkeranlagen statt, die zu ganz neuen Nutzungsarten führte, die die Fotografin mit ihren Aufnahmen dokumentiert. Zugleich beschäftigt sich die Arbeit mit dem Schweizer Sicherheitsdenken sowie mit der Möglichkeit, einen abgeschirmten Raum seinem eigentlichen Zweck zu entfremden und als persönliche Nische zu nutzen.

Die Werkgruppe „New Space“ behandelt schließlich die Faszination für die Erkundung fremder Galaxien. „Start-ups erforschen die Möglichkeit zum Überleben auf fremden Planeten während die Welt immer unbewohnbarer wird. Die Fotos zeigen Abbildungen dieser technischen Entwicklungen“, erläuterte Wohlt bei der Vernissage. „Die Bilder lassen allerdings die Frage offen, was davon real und was Fiktion ist“, warnte aber die Künstlerin selbst und rief zur kritischen Betrachtung der Fotografien auf.

Die Ausstellung „Fata Morgana“ ist noch bis zum 24. November in der Galerie im Saalbau (Karl-Marx-Str. 141) zu sehen; Öffnungszeiten: Mo. – So. 10 – 20 Uhr.

=Christian Kölling=