„Menschenbilder“: Ausstellung mit Werken von Armin Mueller-Stahl im Schloss Britz

„Beim Zeichnen fließen die Emotionen direkt auf das Blatt, und so kann ich einen Charakter zeichnend besser treffen, als ich es mit Worten schildern könnte.“ Der Schauspieler, Musiker, Maler und Schriftsteller Armin Mueller-Stahl, von dem dieses Zitat stammt, wuchs in den 1930er Jahren in einer kunstliebenden ostpreußischen Familie in Tilsit auf. Nach einer Ausbildung zum Geiger wechselte der vielseitige Künstler zur Schauspielerei und erhielt 1952 sein erstes festes Engagement beim Berliner Theater am Schiffbauerdamm. In der DDR stieg Armin Mueller-Stahl zu einem gefragten Darsteller auf, bis er Ende 1976 einen offenen Brief gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterzeichnete und daraufhin kaum noch Rollen angeboten bekam. 1980 wurde seinem Ausreise-Antrag nach West-Berlin stattgegeben. Im Westen begann seine zweite, großartige internationale Schauspieler-Karriere, deren Höhepunkt 1997 eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller für seine für seine Rolle in „Shine – Der Weg ins Licht“ war. Mit seinen Bildern trat Mueller-Stahl allerdings erst 2001 im Film-Museum Potsdam an die Öffentlichkeit, während er die Zwangspause als Schauspieler in der DDR bereits für die Niederschrift seiner Autobiographie „Verordneter Sonntag“ genutzt hatte.

„Armin Mueller-Stahl hat sich als vielseitiger und experimentierfreudiger Maler in der zeitgenössischen Kunst fest etabliert. Ihn nur mit dem Etikett des ‚malenden Schauspielers‘ abzutun, ist unpassend“, erklärte Aneta Brinker, Kuratorin der Ausstellung „Armin Mueller-Stahl. Menschenbilder. Malerei – Zeichnung – Graphik“, bei einer Vorbesichtigung im Schloss Britz. „Insbesondere freuen wir uns, dem Publikum auch einige neue Arbeiten des Künstlers vorstellen zu können, die erstmalig in diesem Jahr auf der Kunstmesse in Karlsruhe gezeigt wurden“, hob Brinker für die Kulturstiftung Schloss Britz hervor und ergänzte: „Über 90 Werke -Gemälde, Unikate und Graphiken- gewähren ab Sonnabend einen Einblick in sein umfangreiches künstlerisches Schaffen.“

Inspiration findet Armin Mueller-Stahl unter anderem in den Werken der Literatur. Zum Urfaust von Goethe schuf er neben großen Gemälden auch 20 Lithographien, die das Ergebnis eigener Deutung und Interpretation von Textsequenzen sind. In der Reihe Shakespeares Mädchen und Frauen setzt er sich mit den weiblichen Figuren des englischen Dramatikers auseinander und verleiht ihnen -inspiriert von Heinrich Heines Abhandlung aus dem Jahr 1839- mit künstlerischen Mitteln eine neue malerische Identität. Die Ausstellung „Menschenbilder“ gibt aber auch die Faszination des Künstlers für das Wesentliche eines Charakters oder einer Gefühlslage wider. „Mueller-Stahl ist ein ausgezeichneter Beobachter , der mit nur wenigen sicheren Strichen die charakteristischen Gesichtszüge und die besondere Stimmung zu Papier oder auf die Leinwand bringen kann“, erläuterte Kuratorin Brinker zu den vielen Portraits, die der Schauspieler von Kollegen, Freunde, Größen der Geschichte und des Zeitgeistes anfertigte. Große Denker wie Kant und Einstein, Künstler wie Beuys und Da Vinci oder der Visionär Steve Jobs und der Freiheitskämpfer Nelson Mandela bannte er ebenso auf das Papier wie Mozart und Bach aber auch Elton John und David Bowie.

Seitdem er sich im Herbst 2006 aus dem Filmgeschäft verabschiedete,hat Mueller-Stahl, der abwechselnd an der kalifornischen Küste in Pacific Palisades, an der Ostsee in Sierksdorf sowie in Berlin lebt, mehr Zeit zum Malen, Musizieren und Schreiben. Unter dem Titel „Der wien Vogel fliegen kann“ ist zuletzt ein Gedichtband von ihm erschienen, den er auch illustriert hat.

Die Ausstellung „Menschenbilder“ wird bis zum 9. Februar 2020 im Schloss Britz gezeigt; Öffnungszeiten: Di. – So. 11 – 18 Uhr. Eintritt: 7 €, erm. 5 €, Kinder bis 12 Jahre frei / Sonderführung: sonntags um 12 Uhr und nach Vereinbarung (ab 5 Teilnehmer) zzgl. 3 Euro / Sondertermine für Schulklassen: Tel. 030 – 6097923-0 (Kostenbeitrag je 1 €)

Alle Kunstwerke der Ausstellung können käuflich erworben werden.

=Christian Kölling=