„Eltern im Blick – Grenzen setzen – Brücken bauen“: Modellprojekt startet an der Grundschule in der Köllnischen Heide

Im Frühjahr machte Schulleiterin Astrid-Sabine Busse auf die besondere Problemlage ihrer Grundschule aufmerksam und bat öffentlich um Unterstützung: Abgeschottete Familienstrukturen, Aggressionen im Klassenzimmer und auf dem Schulhof, religiöse Intoleranz und organisierte Kriminalität prägten und beeinträchtigten den Alltag der Grundschule in der Köllnischen Heide. 95 Prozent der 650 Schülerinnen und Schüler sprechen Deutsch nicht als Erstsprache, rund drei Viertel haben türkische oder arabische Eltern oder Großeltern. Bildungs- und Jugendsenatorin Sandra Scheeres sagte der Schulleitung umgehend ihre Unterstützung zu.

Freitagvormittag stellte Senatorin Scheeres gemeinsam mit Schulleiterin Astrid-Sabine Busse in Anwesenheit von Bezirksbürgermeister Martin Hikel das Modellprojekt „Eltern im Blick – Grenzen setzen – Brücken bauen“ auf einer gut besuchten Pressekonferenz der Öffentlichkeit vor. Am Projekt beteiligt waren die Schulleitung und das Kollegium, der Träger der Jugendsozialarbeit an der Schule, Aspe e. V., der Bezirk Neukölln und das Quartiersmanagement High-Deck-Siedlung.

„Die Schule macht eine engagierte Arbeit, sie kam aber im Alltag an ihre Grenzen. Wir haben daher die Schulsozialarbeit ausgebaut und konzeptionell weiterentwickelt. Es geht darum, Eltern, die man bisher nicht erreichen konnte, in den Blick zu nehmen, auf sie zuzugehen und sie einzubinden. Dafür sind verstärkt Hausbesuche sinnvoll“, skizzierte Scheeres den Kerngedanken des Modellprojektes. Die Schule müsse Brücken bauen, aber auch Regeln durchsetzen und klare Grenzen ziehen, wenn demokratische Werte missachtet werden. „Zugleich müssen alle, die an der Schule arbeiten, ihr Handeln reflektieren und die Schule zu einer interkulturellen Einrichtung weiterentwickeln. Dabei sollen sie noch stärker als bisher die Netzwerke und Unterstützungsstrukturen im Umfeld nutzen“, kündigte die Senatorin zudem an.

Die vier Zielstellungen des Projektes, das auf andere Schulen mit einer vergleichbaren Ausgangslage übertragbar sein soll, sind erstens eine aktivierende und aufsuchende Elternarbeit, für die die Zahl der Sozialarbeiterstellen von 1,5 auf 4,5 erhöht wurde. Zweitens ist die Entwicklung der Grundschule zur interkulturellen Schule avisiert, sodass eine demokratische Schulkultur und ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung gestärkt werden. Außerdem ist eine Unterstützung der Lehr- und Fachkräfte durch Beratungskompetenzen aus dem Sozialraum vorgesehen – z. B. durch das Quartiersmanagement, den Bildungsverbund Köllnische Heide und das Jugendamt Neukölln. Schließlich sollen kontinuierliche Fortbildungen durchgeführt werden, besonders zu aktivierender Elternarbeit, zu interkulturellen und interreligiösen Kompetenzen, zu Fragen im Zusammenhang mit Strukturen der organisierten Kriminalität und Kinderschutzverfahren.

Am Ende schaute die Senatorin bei einer Gruppe von Erstklässlern vorbei, also bei denen, um die es besonders gehen sollte. Elternvertreter aus der Schule in der Köllnischen Heide waren zum Pressetermin leider nicht gekommen.

=Christian Kölling=