Erst die Weltpremiere der neuen Sportart RUNLETICS, dann der Berlin-Marathon

Das Debüt des Marathons in Berlin liegt lange zurück: Bereits 1974 meisterten erstmals Sportler einen 42,195 Kilometer langen Kurs durch die Stadt. Wenn am kommenden Sonntag der 46. BMW BERLIN-MARATHON gestartet wird, werden über 50.000 Läufer, Skater, Rollstuhlfahrer und Handbiker den Kampf gegen die Zeit – und ihren inneren Schweinehund – aufnehmen.

Eine Weltpremiere fand aber schon gestern in Neuköllns Nachbarschaft statt. Im Rahmenprogramm der Laufveranstaltung, bei der MARATHON EXPO am Flughafen Tempelhof, wurde RUNLETICS aus der Taufe gehoben: eine neue Sportart für alle, denen das Laufen über eine ebene Strecke zu dröge oder nicht herausfordernd genug ist. Innerhalb einer 100 x 100 Meter messenden Arena geht es dabei über einen 1.000 Meter langen Parcours mit sieben standardisierten Hindernissen, die Bewegungs- und Belastungsabläufe des städtischen Alltags aufgreifen.

Erfunden wurde die Mischung aus Lauf- und Fitnesssport von der SCC Events GmbH, Die Sportmacher GmbH und der davengo GmbH. Und sie haben Großes mit ihrem Baby vor: Bereits ab dem kommenden Jahr ist eine internationale Wettkampf-Serie in deutschen und internationalen Städten geplant. Eine Vision ist allerdings vorerst nur, dass der „Sport der Zukunft“ irgendwann einmal zu den Neulingen unter den Olympia-Disziplinen zählt – wie Karate, Skateboard, Sportklettern und Surfen bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Sieben Hindernisse sind von den jeweils maximal 10 Startern pro Durchgang zu überwinden. „Urban inszeniert, moderiert und mit motivierender Musik untermalt“, so die Veranstalter, wird der Wettbewerb, bei dem es nicht nur auf die Beine ankommt, sondern auch auf Athletik, Koordination und Geschicklichkeit. Und die Zuschauer können zur Motivation entschieden beitragen, denn sie sind nah am Geschehen, das stark an die Ninja Warrior Germany-Wettkämpfe erinnert, aber ohne Wasserbassins auskommt und zudem erheblich lauforientierter ist. Auch die Halfpipe – bei den Qualifizierungs-Durchgängen des TV-Events das Finale – kommt für die Runleten schon früher: Wer die drei Meter hohe Rampe zu langsam angeht, rutscht ab und muss erneut zum Anlauf ansetzen. Gestern, bei trockenem Wetter, kam das nur selten vor, bei feuchter Luft oder gar regennasser Strecke dürfte es häufiger passieren.

Am Ende warten für die Absolventen des neuen Trendsports erneut zu überlaufende Autoreifen, die koordinativ eine Herausforderung sind, eine längere Laufetappe und kniehohe, in verschiedenen Abständen aufgestellte Trapeze auf der Zielgeraden. Vorher stehen bei All Four hüfthohe Hürden im Weg, die in gebückter Haltung oder auf allen Vieren genommen werden müssen. Und der Flashmob simuliert mit 77 beweglichen, überdimensionalen Boxsäcken das Hindurchschlängeln wie in einer Menschenmenge. Dem Computerspiel Super Mario ist schließlich das zehn Meter lange Hindernis Jump’n’Run nachempfunden.

Etwas über drei Minuten brauchte Fabian, der erste Vorlaufsieger beim Runletics-KickOff für die Strecke. Wie alle anderen durfte auch er in zwei weiteren Durchläufen versuchen, seine Zeit zu verbessern – angesichts der nunmehr besseren Kenntnisse der Strecke und der Ideallinie eher die Norm als eine Seltenheit.

Für die Besten bei den Frauen und Männern ging es gestern freilich um mehr als das Dabeisein und Plätze auf dem Siegerpodest: Für sie war außerdem ein Preisgeld von 500 Euro ausgelobt. Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich nach Veranstalterangaben für die Weltpremiere angemeldet.

In Bewegung waren aber nicht nur die Sportler, sondern auch die Zuschauer. Viele nur entlang des Parcours, während sich andere spontan entschlossen, selber auf die Strecke gehen zu wollen. Runletics, motivierte der Stadionsprecher, sei eben ein Sport für alle, die über ein Mindestmaß an Fitness verfügen. Attraktiv ist die modernisierte Variante des leichtathletischen Hindernislaufs zweifellos. Um zum Leistungssport oder gar zur olympischen Disziplin zu werden, hat sie aber noch einen weiten Weg vor sich. Und selbst die Hürden zum Breitensport sind hoch, weil das Training an den genormten Hindernissen auch voraussetzt, dass diese in Vereinen zur Verfügung stehen.

Die MARATHON EXPO, eine Sports Community Convention mit über 150 Ausstellern, findet noch bis morgen im Flughafen Tempelhof statt. Öffnungszeiten: Fr. 11 – 20 + Sa. 9 – 19 Uhr. Der Eintritt ist frei; zulässige Taschengröße: max. 55 x 40 x 25 cm, größere Gepäckstücke können für eine Gebühr von 2 Euro abgegeben werden.

Nach der gestrigen RUNLETICS-Weltpremiere gibt es die Möglichkeit, auch heute und morgen (13 – 18 Uhr) noch die neue Sportart auszuprobieren. (Kein Zugang über das Tempelhofer Feld.)

=Gast=