Deutsch-niederländisches Musiktheater „Dimension Neukölln!“ bringt Kunst und Mathematik zusammen

„Wir haben schon Spannung getanzt und von Bienen gesungen. Wir haben Oxidation auf die Bühne gebracht und die Unendlichkeit verkörpert. In diesem Jahr war das mathematische Thema Dimension die Inspiration für Texte, Choreographie und Musik unserer Produktion.“ René M. Broeders, Initiator und künstlerischer Leiter der neunten BeVoice-Produktion, die am Freitagabend vergangener Woche im Kulturstall des Gutshofs Britz aufgeführt wurde, stellte eingangs den Premierenbesuchern die Idee des Tanz-, Theater- und Musikprojektes vor.

Unterstützt und angeleitet von rund 30 gleichaltrigen Jugendlichen, die in den Niederlanden spezielle Tanz- und Musikschulen besuchen, an denen sie zu professionellen Künstlern ausgebildet werden, zeigten mehr als 100 Oberschülerinnen und -schüler die Aufführung „Dimension Neukölln!“. Innerhalb einer Woche brachten die bühnenerfahrenen Jugendlichen den Teilnehmern aus der Röntgen-Schule, dem Ernst-Abbe-Gymnasium und der Walter-Gropius-Schule die Grundlagen des Tanzens, Singens und Spielens bei. Begleitet vom Chor des Albert-Einstein-Gymnasiums und dem Orchester der Musikschule Paul Hindemith kam am Ende der Workshop-Woche eine sehenswerte Aufführung auf die Bühne des Kulturstalls in Britz.

„Die Erfahrungen seit dem Beginn des Projektes haben gezeigt, dass die Neuköllner Jugendlichen persönlich so stark von der Teilnahme an BeVoice profitieren, dass sich das im Schulalltag nachhaltig bemerkbar macht. Ihr Verhalten ändert sich maßgeblich: Toleranz, Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Respekt verbessern sich merklich, der Umgangston ist freundlicher und ihr Engagement und ihre Leistungsbereitschaft sind größer“, sagte Frank Hadamczik, Pressesprecher der Stadt und Land, um zu begründen, warum die städtische Wohnungsbaugesellschaft Broeders Arbeit finanziell und organisatorisch unterstützt und fördert.

Das Thema der aktuellen Aufführung „Dimension Neukölln!“ stellt einerseits die vielen unterschiedlichen Dimensionen des Bezirkes mit künstlerischen Mitteln dar, es geht um die Menschen, das Leben, die Energie, die schiere Größe, aber auch die Probleme. Andererseits werden aber auch grundlegende Mathematik-Kenntnisse über den Punkt ohne Dimension, die Linie mit nur einer Dimension, die zweidimensionalen Fläche, den dreidimensionalen Raum sowie die vierte Dimension und weitere, sogenannte n-dimensionale Räume spielerisch vermittelt. Wissenschaftlich begleitete die Mathematikerin Anna Maria Hartkopf das BeVoice Projekt. Sie promoviert nicht nur mit einer Arbeit über Polyeder an der FU-Berlin, sondern gibt auch auf einer Webseite, auf der Polyeder adoptiert werden können, für interessierte Laien verständliche Einblicke in die Welt der geometrische Figuren, die aus Ecken, Kanten und ebenen vieleckigen Seitenflächen bestehen. Bevor sie ihre Doktorabeit anfing, die 2020 abgeschlossen sein soll, arbeitete die Mathematikerin als Lehrerin an einer Berliner Gesamtschule.

„Wir haben schon die Fächer Physik, Biologie und Chemie auf die Bühne gebracht, aber in unseren letzten vier Produktionen ging es nur noch um Mathematik“, berichtete René M. Broeders und fügte an: „Vielleicht gibt es im nächsten Jahr wieder ein mathematisches Thema bei BeVoice. Im Juli war ich auf der Bridges-Konferenz in Linz, wo Brücken zwischen Kunstschaffenden und Mathematikern gebaut und gemeinsame Anknüpfungspunkte gesucht wurden.“

=Christian Kölling=

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