Engagement und Protest am Weigandufer

Mit viel Sachverstand und unbezahlter Freiwilligenarbeit legten einige Anwohnerinnen und Anwohner aus Treptow vor rund zehn Jahren die Schmetterlingswiese an der Lohmühlenbrücke an. Seitdem ruft die AnwohnerInneninitiative – so wie am vergangenen Sonnabend – regelmäßig zu einem Subbotnik mit anschließendem gemütlichen Beisammensein auf. „Wir haben die Flächen der Schmetterlingswiese und des angrenzenden Gehölzbestandes von Kronkorken und Zigarettenkippen befreit, die dort aufgrund der zahlreichen abendlichen Chiller immer wieder überhand nehmen“, berichtete mir Kerstin Schmidt von der Initiative Schmetterlingswiese gestern über den freiwilligen Arbeitseinsatz. „Wir haben außerdem den Beifußbestand dezimiert, der sich stark entwickelt hatte und im Begriff war, die anderen Wiesenkräuter zu verdrängen“ fügte Schmidt an und sagte, dass auch über die Ende September anstehende Mahd gesprochen wurde.

Im Zuge der Neugestaltung des Weigandufers wäre die ökologisch wertvolle Fläche um ein Haar verloren gegangen. „Ungestaltet bzw. wenig funktional“, urteilten die Planer über die Schmetterlingswiese bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung auf dem Campus Rütli im Dezember 2012. Die Anwohnerinitiative Schmetterlingswiese forderte daraufhin die Beachtung der vorhandenen Flora und Fauna, insbesondere der Nistmöglichkeiten für Drosseln und Amseln im Bereich der Kugelahorne, wie im ersten Protokoll der Treffen des Beteiligungsgremiums Sonnenallee vom März 2013 vermerkt ist. Nach Einschaltung der BVV Treptow-Köpenick konnte die Schmetterlingswiese schließlich im Sommer 2014 gesichert werden.

An der Wildenbruchbrücke, einige hundert Meter südöstlich vom Lohmühlenplatz, ist dagegen der seit Februar mit der Rodung aller alten Sträucher am Wildenbruchpark anhaltende Unmut noch nicht vollständig verstummt. Beim 67. Treffen des Beteiligungsgremiums im Gebietsteil Sonnenallee forderte das Gremium einen Stopp der geplanten Rodungsmaßnahmen zwischen Weichselplatz und Wildenbruchpark sowie die Neuaufnahme des Planungsprozesses unter ökologischen und stadtklimatischen Gesichtspunkten. Wie Bezirksstadtrat Jochen Biedermann beim Treffen, an dem er in Vertretung für den Bezirksbürgermeister teilnahm, bereits angekündigt hatte, ist inzwischen auch die Bezirksverordnetenversammlung Neukölln wieder mit der Gestaltung des Weigandufers befasst.

Bezirksbürgermeister Martin Hikel stellte den BVV-Ausschüssen für Verkehr sowie für Grünanlagen in einer gemeinsamen Sitzung am 4. September die aktualisierten Pläne für den Umbau des Uferweges vor. Einen Rodungsstopp, den die Fraktion der Linken in der BVV gefordert hatte, empfahlen die Ausschussmitglieder der Zählgemeinschaft von SPD und Grünen dem Bezirksparlament nicht zur Annahme; die Verordneten der CDU enthielten sich der Stimme.

„Entlang des Weigandufers werden nun 307 heimische Sträucher gepflanzt, die besonders vogel- und insektenfreundlich sind. Gepflanzt werden zahlreiche Johannisbeeren, Hunds- und Weinrosen, Berberitzen, Hartriegel, Weißdorn, Liguster, Heckenkirschen und Feldahorn. Die geplanten Sträucher werden eine Höhe zwischen 1 und 4 Metern erreichen“, hält Hikel den Rodungsgegnern u. a. in einer ausführlichen Stellungnahme jetzt auf der Webseite des Bezirksamtes entgegen. Die bisherigen Sträucher zwischen Wildenbruchstraße und Weichselplatz seien Straßenbegleitgrün, das in der Vergangenheit nicht ordentlich gepflegt wurde. Im Umweltatlas des Landes Berlin werde ein großer Bereich des Weigandufers vom Weichselplatz bis zur Wildenbruchstraße als „besonders schützenswert“ dargestellt. Dabei handele es sich jedoch um einen Darstellungsfehler, erklärt das Bezirksamt im Internet weiter.

Alle Bedenken der Kritiker sind damit allerdings noch nicht aus dem Weg geräumt. Für die Sitzung der BVV am kommenden Mittwoch, auf der schwerpunktmäßig der Haushalt beraten wird, hat die Verordnete Marlis Fuhrmann eine Große Anfrage eingebracht. „Weshalb sieht der Entwurf zur Neugestaltung der Promenade am Weigandufer eine massive Verkleinerung des charakteristischen wegbegleitenden Gehölzstreifens auf 1/3 und an Stelle eines Uferweges großflächige Pflasterungen auf 2/3 der Fläche vor?“, will die Kommunalpolitikerin der Linken nun wissen.

=Christian Kölling=