Ein „magischer Tisch“ unterstützt jetzt die heilpädagogische Arbeit in der Bildungswerkstatt des Diakoniewerks Simeon

Im Wohnstättenwerk des Diakoniewerkes Simeon an der Lipschitzallee, das in Neukölln seit 1975 eine fest etablierte Wohneinrichtung für erwachsene Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen ist, wurde am vergangenen Freitag eine neue Bildungswerkstatt eingeweiht, die in Berlin einzigartig ist. Das Herzstück der Werkstatt, in der erwachsene Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen betreut werden, die nicht oder nur eingeschränkt kommunizieren können, ist eine Tovertafel.

Dabei handelt es sich um eine digitale Innovation, mit der über Beamer, Lautsprecher und Prozessor verschiedenste Spiele auf einen Tisch projiziert werden. Die Spiele reagieren auf Hand- und Armbewegungen, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstständig mit Licht spielen können, wobei sie heilpädagogisch begleitet werden. Die Spieltherapie basiert auf einem nichtdirektiven Verfahren nach Erkenntnissen der Pädagogin und Kinderpsychologin Virginia Axline und des Gesprächstherapeuten Carl Rogers. Die heilpädagogische Arbeit mit der Tovertafel regt zu körperlicher Aktivität und sozialer Interaktion in einem geschützten Raum an und befähigt die Spieler zum besseren Umgang mit persönlichen Emotionen wie Wut, Aggression und Angst .

Ermöglicht wurde die Einrichtung der neuen Bildungswerkstatt mit einer Zuwendung in Höhe von 20.000 Euro aus der Else Mollenhauer Stiftung. Else Mollenhauer hatte ihren Nachlass 2009 dem Land Berlin für gemeinnützige Zwecke in Neukölln vermacht. Der Bezirk richtete zunächst eine Stiftung ein, die wegen sinkender Kapitalerträge nun aber aufgelöst wurde. „Das Geld ist für die Bildungswerkstatt sehr gut angelegt und eine lohnende Investition für die Zukunft. Durch die neue digitale Technik wird Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen gefördert“, sagte Gesundheitsstadtrat Falko Liecke zur Eröffnung. Über die Themen Teilhabe, Inklusion und Barrierefreiheit sei erst kürzlich in der Bezirksverordnenetenversammlung Neukölln ausführlich diskutiert worden, fügte Liecke hinzu, der zusammen mit Katharina Smaldino, der Beauftragten des Bezirkes für Menschen mit Behinderung, gekommen war.

Die stellvertretende Superintendentin des Kirchenkreises Neukölln, Pfarrerin Karin Singha-Gnauck, und der Geschäftsführer des Diakoniewerks Simeon Olaf Petzold dankten für die großzügige Zuwendung und erinnerten an den Artikel 19 der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung, der seit 2009 klar festlegt, dass Menschen mit Behinderungen voll in die Gemeinschaft einbezogen werden müssen. Im Anschluss an die Eröffnungsreden enthüllte Bezirksstadtrat Liecke zusammen mit einem Sprecher der Bewohner-Beirates eine Tafel zur Erinnerung an Else Mollenhauer. Am Ende der Einweihungsfeier stand ein Besuch im ansprechend gestalteten Raum der Bildungswerksstatt auf dem Programm. Bezirksstadtrat Liecke ließ sich an einem „magischen Tisch“ von den Lichtspielen der Tovertafel begeistern. Die Spiele können nicht nur auf einen Tisch, sondern zum Beispiel auch auf den Fußboden projiziert werden.

=Christian Kölling=