Hausgemeinschaft der Leinestraße 8 kämpft für Vorkaufsrecht

750.000 Euro betrug früher der durchschnittliche Kaufpreis für ein Wohnhaus im Schillerkiez. Heute sind Preise zwischen 5 und 6 Millionen Euro keine Seltenheit. Wenn einst günstige Häuser zu Millionenpreisen verkauft werden, sind drastische Mieterhöhungen für Wohnungen und Gewerberäume, Luxusmodernisierungen und Umwandlungen in Eigentumswohnungen die Folge: Allein damit der Kaufpreis in einem realistischen Zeitraum erwirtschaftet werden kann.

„Schon wieder ist ein Haus im verdrängungsgebeutelten Nordneukölln verkauft worden“, klagten diesmal die Mieter der Leinestraße 8, deren Haus an die Aramid GmbH und Co. KG verkauft worden ist. „Unser Haus ist das Zuhause einer breiten Mieter*innenschaft. Wir sind Urneuköllnerinnen und Wahlberliner*innen, Familien, Berufstätige, Erwerbslose, Rentner*innen und Studierenden-WGs“, stellten die Mieter sich vor, die für den Sonntagnachmittag zu einem Hausbankett mit Kundgebung auf unter dem Motto „Kiez statt Kies. Gemeinsam die ReißLEINE ziehen gegen Verdrängung!“ aufgerufen hatten.

Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann – diesmal mit Sohn Milo unterwegs -, die Grüne Wahlkreisabgeordnete Dr. Susanna Kahlefeld, Carla Assmann, Bezirksverordnete der Linken in Neukölln und Willi Laumann vom Berliner Mieterverein waren gekommen, um ihre Solidarität und Unterstützung zu erklären. „Hohe Mietsteigerungen oder Umwandlung in Eigentumswohnungen wären für viele von uns existenzbedrohend. Die derzeitige Wohnungs- und Mietpreissituation würde demnach für viele von uns eine Verdrängung aus unserem Kiez bedeuten“, erklärte eine Sprecherin der Hausgemeinschaft und fügte hinzu: „Deswegen kämpfen wir dafür, dass der Bezirk Neukölln das Vorkaufsrecht geltend macht. Wir erwarten vom zuständigen Stadtrat und vom Berliner Senat, dass sie sich mit aller Kraft für einen Vorkauf einsetzen.“

Aber nicht nur im Schillerkiez, dessen Quartiersmanagement gerade sein 20-jähriges Jubiläum feierte, müssen Hausgemeinschaften sich organisieren, politische Arbeit leisten und die Öffentlichkeit darüber informieren, wer sich hinter schillernden Namen wie Pears Global Real Estate (Weisestraße 56), Aramis Immobilien GmbH (Schillerpromenade 26) oder Aramid GmbH und Co. KG (Leinestraße 8) versteckt, wobei Firmeninformations-Portale wie North Data helfen.

Auch das Lokal k-fetisch und die Hausgemeinschaft „Wilde Weser“ meldeten, das ihr Eckhaus an der Wildenbruchstr. 85/86 und Weserstr. 146 verkauft worden sei. „Die Hausgemeinschaft sorgt sich vor Mieterhöhungen und Verdrängung. Der Weiterbestand des k-fetisch, sowie der anderen Gewerberäume im Haus sind konkret gefährdet“, schrieben sie und nannten Akelius als neuen Besitzer des Eckhauses.

Freitag, 30. August, 17 – 20 Uhr: Protest-Straßenfest vor dem k-fetisch an der Wildenbruch-/Weserstraße

Freitag, 30 August, ab 19 Uhr: Das Freiluftkino Hasenheide zeigt in Kooperation mit dem Berliner Mieterverein den Film PUSH – FÜR DAS GRUNDRECHT AUF WOHNEN (mehrsprachig OmU, Eintritt: 8 Euro). Vor dem Film gibt es ein politisches Filmgespräch: Dr. Lisa Vollmer von der Bauhaus Universität in Weimar und Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit geben einen Überblick zum Spannungsfeld Wohnungs- und Mietenpolitik in einem neoliberalen Wohnungsmarkt. Florian Schmidt, Stadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg und Karin Zauner-Lohmeyer aus Wien, Sprecherin der Europäischen Bürgerinitiative‚ Housing for all‘ stellen ihre Visionen vor und legen die Finger auf die Wunde der eklatanten Missstände auf den Wohnungsmärkten, sowohl auf kommunaler sowie auf EU-Ebene. Der Film startet um 20.30 Uhr! Über den Berliner Mieterverein gibt es eine begrenzte Gästeliste.

=Christian Kölling=