The Process of Becoming: Ausstellung in der Galerie im Körnerpark hinterfragt die zeitliche Dimension der Skulptur

Nicht schlecht staunten die Parkbesucher und spielenden Kinder am Freitagabend, als sie auf der Terrasse vor der Galerie im Körnerpark eine rund fünf Meter hohe, aufblasbare und begehbare kegelförmige Skulptur entdeckten. Die nomadische Installation von Valeska Peschke, die in den Farben der Nationalflaggen aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gehalten ist und den EU-Barcode von Rem Koolhaas aufgreift, trägt den Namen „Vulkan Umstülpen“. Die Künstlerin will über das Bild des europäischen Vulkans auf alternative Denkweisen von Heimat, Territorium und Grenzen aufmerksam machen, um auf globale statt nationale Perspektiven zu verweisen.

Peschkes Performance auf der Terrasse begleitete die Eröffnung der neuen Ausstellung „The Process of Becoming – Zeitliche Dimensionen der Skulptur“, die bis zum 6.November in der Galerie im Körnerpark gezeigt wird. „Wo beginnt ein Werkprozess und wann endet er? Wer oder was ist involviert und hat einen aktiven Einfluss auf die Ausprägung des Prozesses?“ Mit diesen Leitfragen will die Ausstellung den klassischen Skulpturbegriff herausfordern. Zwei lebendige Männer standen während der Vernissage regungslos wie die Figuren eines Denkmals auf einem weißen Sockel am hinteren Ende des Raumes, wodurch der Anspruch der Ausstellung zusätzlich unterstrichen wurde.

Kuratorin Anna Borgman, die mit ihrer Arbeit „Conveyor Belt“ selbst in der Ausstellung vertreten ist , und der Künstler Martin Erik Andersen stellten die einzelnen Werke vor. Andersen arbeitet mit unterschiedlichsten künstlerischen Medien. Seine Werke haben viele Bedeutungsschichten und beziehen sich auf die Kunst- und Kulturgeschichte. M.E. Andersen bricht die traditionelle Hierarchie der Materialien auf, Bronze ist genauso wertvoll wie Pappe. Die Arbeit „Conveyor Belt“ der dänischen Bildhauerin Anna Borgman besteht aus einer Reihe von stilisierten Transportbändern, die sich auf die industrielle Produktion beziehen. Die Bänder bleiben jedoch leer und der Betrachter muss sich selber vorstellen, was transportiert wird oder welches Produkt hergestellt werden soll.

Der bunte Vulkan wird nur tagsüber von Donnerstag bis Sonntag vor der Galerie im Körnerpark aufgestellt und wird bereits am 15. September endgültig abgebaut. Sowohl zur Arbeit „Vulkan Umstülpen“ von Valeska Peschke als auch zur Ausstellung „The Process of Becoming“ wird ein Begleitprogramm angeboten.

Samstag, 31. August 2019, 19 Uhr: Ensemble KNM Berlin – Konzert
Das Programm mit Werken von James Saunders, Michael Pisaro und improvisierter Musik beschäftigt sich mit den räumlichen, zeitlichen und sozialen Aspekten der Musik. Mit: Rebecca Lenton (Flöte), Cosima Gerhardt (Cello) und Laurent Bruttin (Klarinette).

Donnerstag, 5. September 2019, 17 Uhr: Blackbooks einer unbekannten Zeit
Performative Präsentation des Künstlerbuchprojektes mit den Stadtteilmüttern in Neukölln

=Christian Kölling=