Hilfe zur Selbsthilfe: Neues Gruppenangebot für Angehörige von psychisch Kranken

Wenn Menschen in einer psychischen Krise stecken, leiden nicht nur sie selber darunter. Auch das soziale Umfeld bekommt die Auswirkungen zu spüren – und wer sich nicht abwendet, will oft helfen. Nur wie unterstützt man jemanden, dessen Seelenleben einen Knacks hat?

Das Schwierigste für Partner, Angehörige, Freunde oder auch Kollegen ist wohl, die Krankheit zu verstehen und sich in die Situation der oder des Erkrankten hineinversetzen zu können. Wie sich ein Hexenschuss, eine Grippe, Zahn- oder Kopfschmerzen anfühlen, wissen die meisten, und entsprechend leicht fällt Empathie. Wer aber keine eigenen Erfahrungen mit Zwangs- oder Essstörungen, Ängsten, Depressionen, Burnouts, Manien oder Psychosen aufweisen kann, ist nun mit Symptomen konfrontiert, gegen die weder Thermopflaster, noch Schmerztabletten oder Wadenwickel helfen. Mehr noch sind Angehörige gefährdet, in eine Therapeutenrolle zu rutschen und sich damit selber über Gebühr zu belasten. Entsprechend oft finden sie sich irgendwann in der Lage wieder, selber professionelle Hilfe zu brauchen.

Dem Bedürfnis, sich mit Menschen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind, kommt jetzt der Landesverband Berlin vom Angehörige psychisch Kranker (ApK) e. V. mit einer neuen Selbsthilfegruppe in Neukölln nach. „Machen Sie sich Gedanken, was mit Ihrer Partnerin, Ihrem Bruder, Ihrer Tochter, Ihrer Mutter oder Ihrem Mitbewohner los ist und was Sie tun können? Fühlen Sie sich hilflos und fragen sich, was Sie dem Anderen und was sich selbst zumuten können? Wir bieten einen Ort, an dem Sie über alles sprechen können: Ihre Sorgen, Ihren Ärger, Ihre Enttäuschung oder Ihre Trauer“, formuliert der Verein den Ansatz. Zentrales Ziel seines Engagements seien „aufgeklärte, solidarische und selbstbewusste Angehörige, de ihre Rechte kennen und die Hilfen einfordern, die sie zur Bewältigung ihrer herausfordernden Lage benötigen“ sowie eine Entstigmatisierung.

Die Berliner Dependance des ApK entstand 1989 aus einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen psychisch erkrankter Personen. Bei der Arbeit mit Angehörigen sollen belastete Angehörige durch Beratung oder in Selbsthilfegruppen aufgefangen und gestützt sowie die unterschiedlichen Rollen von Angehörigen berücksichtigt werden. Um einer landesweiten Versorgung gerecht zu werden, sollen Gruppen in den verschiedenen Berliner Bezirken entstehen. Wie bei der neuen Gruppe in Neukölln steht hinter allen die Idee, dass sie sich mittelfristig eigenverantwortlich organisieren.

Das Gründungstreffen der Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Kranker findet am 22. August um 16 Uhr im Nachbarschaftstreff Schillerkiez (Mahlower Str. 27) statt; weitere Termine nach Absprache, geplant sind ein- bis zweimal monatliche Treffen. Das Angebot ist kostenlos, um eine kleine Raumspende für den Nachbarschaftstreff wird gebeten.

Interessierte können einfach vorbeikommen oder vorher Kontakt mit Selma Schulze-Brüninghoff (Tel. 030 – 863 957 03 oder schulze-brueninghoff@apk-berlin.de) aufnehmen.

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