„Think positive!“: Ausstellung in der Galerie im Saalbau regt zum Umdenken und Negativsehen an

„Schau an: Nichts ist so, wie es scheint.“ Dieses Leitmotiv ist allen sieben Arbeiten von Thilo Droste und Saeed Foroghi  gemeinsam, die seit dem Wochenende in der Galerie im Saalbau gezeigt werden. Kulturstadträtin Karin Korte und Galerieleiterin Dorothee Bienert eröffneten am Freitagabend im Beisein der Künstler die Ausstellung „Think positive!“. Der Ausstellungstitel ist nicht nur als eine Aufforderung an den Geist, sondern auch an das Sehen zu verstehen.

Schon beim Betreten der Galerieräume wird den Besuchern eine Entscheidung abverlangt, ob die Räume von links oder rechts betreten werden. Auf beiden Seiten sehen sie sich mit dem eigenen Spiegelbild konfrontiert und mit einem Schriftzug der dazu spiegelverkehrt die Begriffe Wahrheit oder Lüge kombiniert. Ein eigens für den Ort konzipierter, überdimensionaler Konferenztisch zieht sich raumübergreifend durch die Galerie. Einerseits lädt er zu Verhandlungen an den runden Tisch und funktioniert andererseits als Raumbarriere, die das Publikum ausgrenzt.

Symbolisch wird der runde Tisch im Durchgang des Saalbaus und auf dem Hof mit einer dicken schwarzen Linie am Boden fortgesetzt.

Im hinteren Ausstellungsraum sind 196 in Negativfarben gemalte Fahnen aller anerkannten Staaten der Welt zu sehen. Die Arbeit „Ästhetik des Signifikanten“ ist ein Versuch, die Sehnsucht nach Sehen, Wiedersehen, Neusehen und Negativsehen im Betrachter zu wecken. Nur durch eigenes Umdenken im Sehen – bzw. durch eine App zur Bildbearbeitung, die am Eingang geladen werden kann – werden die Fahnen in ihrer ursprünglichen Erscheinungsform wieder sichtbar. Nach Anmeldung können die Besucher sich mit einer der in Öl gemalten Fahnen vor einer schwarzen Wand fotografieren lassen. Die Fotoaufnahme wird ebenfalls invertiert, sodass die Person in Umkehrfarben vor einer weißen Wand mit der Fahne ihrer Wahl in Originalfarben erscheint.

Die Ausstellung wird bis zum 22. September in der Galerie im Saalbau (Karl-Marx-Str. 141, U-Bahn: Karl-Marx-Straße, Öffnungszeiten: Mo. – So. 10 – 20 Uhr) gezeigt.

Freitag, 30. August, 19 Uhr: Thilo Droste und Saeed Foroghi diskutieren über die Ambivalenzen des Originalen und deren Bedeutung im aktuellen Kunstbetrieb.

=Christian Kölling=