KinderKulturMonat nach acht Jahren vor dem Aus?!

Der KinderKulturMonat ist das größte Berliner Festival der kulturellen Bildung für Kinder. Das Festival für Menschen von vier bis 12 Jahren bietet jährlich über 120 kostenlose Veranstaltungen in allen Berliner Bezirken. In Kooperation mit Theatern, Museen, Opernhäusern, Jugendkunstschulen und anderen Kulturorten entstehen für die Jüngsten ganz neue Möglichkeiten, mit ihrer Neugierde und Energie die Stadt zu entdecken. Die Idee des Kulturmonats stammt aus den Niederlanden. Chris Benedict und Nadine Lorenz vom Werkstadt Kulturverein e. V. griffen sie in Berlin 2012 auf. Sie wollten damit nicht zuletzt auch benachteiligte Kinder mit Orten wie der Philharmonie, Berlinischen Galerie oder dem Renaissance-Theater bekannt machen. Gemeinsam erleben die Kinder einmalige Blicke hinter die Kulissen der großen Kulturhäuser dieser Stadt und werden unter professioneller Begleitung zudem selbst künstlerisch aktiv.

„Der Entwurf des Berliner Senats für den kommenden Doppelhaushalt 2020/21 liegt nun vor, aber auch nach acht engagierten Jahren für Kinder in Berlin findet der KinderKulturMonat dort keine Berücksichtigung. Ohne eine finanzielle Absicherung über den Landeshaushalt droht jedoch das baldige Ende des KinderKulturMonats“, sagte mir Chris Benedict am Donnerstag und fügte erläuternd hinzu: „Der KinderKulturMonat hat bei den gängigen Förderinstrumenten, die wir zur punktuellen Unterstützung in den letzten acht Jahren einwerben konnten, viele Maximallaufzeiten erreicht. Es handelt sich bei den meisten Förderprogrammen um befristete Projektförderungen und Anschubfinanzierungen.“ Deshalb seien jetzt die Bildungs- und Kulturpolitiker im Abgeordnetenhaus gefragt, erklärte Benedict und forderte: „Damit es nach 2019 weitergehen kann, muss der KinderKulturMonat in den Berliner Landeshaushalt aufgenommen werden. Die Berliner Abgeordneten müssen sich in den laufenden Haushaltsverhandlungen dafür einsetzen, um den KinderKulturMonat zu retten.“

Der KinderKulturMonat brauche 350.000 Euro jährlich, um die prekären Arbeitssituationen in feste Stellen zu überführen und der jährlich wachsenden Nachfrage des Projektes mit ausreichend Kapazitäten begegnen zu können, schätzte Benedict und kommentierte: „Das ist für ein gesamtstädtisches Festival, das einen Monat lang geht und darüber hinaus wichtige Schnittstellenfunktionen erfüllt vergleichsweise wenig.“ Bis heute ist die Finanzierung des KinderKulturMonats, für den im vergangenen Jahr Bildungssenatorin Sandra Scheeres die Schirmherrschaft übernahm, noch nicht im Haushalt verankert. „Wir haben uns über verschiedene Fördertöpfe und Förderprogramme von Jahr zu Jahr weitergehangelt, immer und gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Jugend, Bildung und Familie darauf hinarbeitend, das Format fest in der Stadt zu etablieren, damit es dann über den Haushalt finanziert wird“, sagte Benedict.

Jährlich nehmen über 6.000 Kinder die Angebote des Kulturmonats wahr, viele sind dabei das allererste Mal in einem Kulturort. Zudem ist ein außergewöhnliches Netzwerk entstanden, in dem nicht nur Kulturorte, sondern auch Jugendfreizeiteinrichtungen, Familienzentren, Geflüchteten-Unterkünfte und Initiativen zusammenwirken. „So kommt es zu einer bemerkenswerten berlinweiten Reichweite sowie zur Begeisterung und Begegnung verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen“, hob Chris Benedict zusätzlich hervor.

=Christian Kölling=