Drei Genossenschaften verwirklichen großes Photovoltaik-Mieterstromprojekt im Norden Neuköllns

Klimaneutral bis 2050 soll Berlin nach der Vorgabe Energiewendegesetzes werden. Damit der CO2-Ausstoß in der Stadt aber tatsächlich bis zur Mitte des Jahrhunderts um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 sinkt, sind noch viele kleine – und gern auch größere – Schritte auf lokaler Ebene nötig. Im digitalen Energieatlas der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, der bis auf den Postleitzahlenbereich genau dokumentiert, welche Projekte für die Energiewende bereits verwirklicht sind, kann nun dank der Kooperation von drei Genossenschaften ein bedeutender Neueintrag gemacht werden.

Sonnabendnachmittag feierte die Genossenschaft BürgerEnergie Berlin gemeinsam mit Staatssekretär Christian Rickerts aus der Senatsverwaltung für Wirtschaft auf einem Hoffest ihr erstes Photovoltaik-Mieterstromprojekt. In Zusammenarbeit mit der Wohnungsgenossenschaft Neukölln eG errichtete die BürgerEnergie Berlin auf den Hausdächern der Fuldastraße 26-30 sowie der Ossastraße 30-33 eine Photovoltaikanlage. Sie kann mit dem direkt auf dem Dach erzeugten Strom den Bedarf von 118 Haushalten zu knapp einem Drittel decken. Wenn die Sonne nicht scheint, beziehen die Haushalte ihren zertifizierten Ökostrom von den Elektrizitätswerken Schönau, die als dritte Genossenschaft zum Gelingen des Mieterstromprojektes beitragen.

Die Photovoltaikanlage hat eine Leistung von 99,8 kWp und gehört damit zu den derzeit größten PV-Mieterstromanlagen in Berlin. Ihr jährlicher Ertrag beträgt 84.500 kWh, was im Vergleich zur konventionellen Stromproduktion eine Einsparung von circa 50 Tonnen CO2 pro Jahr bedeutet. Sami Natal, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Neukölln, die über rund 4.000 Wohnungen und 33 Gewerberäume in ganz Berlin verfügt, stellte in Aussicht, dass noch mehr Dachflächen für PV-Anlagen zur Verfügung gestellt werden könnten. Staatssekretär Christian Rickerts erinnerte daran, dass weniger als 1 Prozent der in Berlin vorhandene Dachflächen für PV-Anlagen genutzt würden. Er hob hervor, dass die Bundesregierung Mieterstrom stärker als bisher am Ausbau der erneuerbaren Energien einbeziehen wolle. Gleichzeitig kritisierte Rickerts den Zuschnitt der Förderprogramme des Bundes, die nur für Vorhaben mit einer Leistung bis zu 100 kWp gelten.

Im Anschluss an die Reden konnten Interessierte die PV-Mieterstromanlage auf dem Dach und die dazugehörige Technik im Keller besichtigen. Für alle gab es beim Sommerfest schließlich eine große Torte, die das Foto der Solaranlage über den Dächern Neuköllns zierte.

=Christian Kölling=