Überweg mit Hindernissen an der Karl-Marx-/Hobrechtstraße

Mehr Verkehrssicherheit will das Berliner Mobilitätsgesetz bringen, und Neuköllns erster geschützter Radfahrstreifen, der Mitte letzter Woche der Öffentlichkeit vorgestellt wurde ist ein vielversprechender Anfang – zumal auch gesicherte Querungshilfen für den Fußverkehr in die Protected Bike Lane sowie den gegenüberliegenden breiten Radstreifen zwischen Hermannplatz und Reuterstraße integriert wurden.

Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. „Unsere beauftragte Firma hat eine markierte Querungshilfe vor einen Baum gelegt. Das war in den Plänen so eingezeichnet und die von uns beauftragte Markierungsfirma hat – ohne Nachzudenken – das in die Tat umgesetzt“, erklärte mir Wieland Voskamp, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes Neukölln, als ich ihn am Mittwoch letzter Woche darauf aufmerksam machte, dass eine große Ulme mitten auf dem Fußgängerüberweg an der Ecke Karl-Marx-/Hobrechtstraße steht. Eine Hälfte der Baumscheibe wurde von der übereifrigen Firma gleich noch asphaltiert. Nur an die Absenkung der Bordsteinkante dachten die Straßenbauarbeiter wohl nicht. Fußgänger, die allerdings tatsächlich zwingend auf eine abgesenkte Bordsteinkante angewiesen ist, können auf eine benachbarte Querungshilfe ausweichen, die in Richtung Hermannplatz nur gut 25 Meter entfernt angelegt ist.

„Die Asphaltierung ist nur von kurzer Dauer, wir lassen das ändern“, beruhigte mich Voskamp. Die Querungshilfe solle ein Stück versetzt und der Mittelstreifen auf der Karl-Marx-Straße ein wenig in Richtung Hobrechtsraße verlängert werden. „Auch die Radbügel lassen wir versetzen, wenn es nötig ist“, sagte Voskamp. Christian Hönig, Fachreferent für Baumschutz des BUND-Berlin, wollte telefonisch am Donnerstagmittag die Asphaltierung einer Hälfte der Baumscheibe nicht kommentieren, ohne den konkreten Einzelfall selbst gesehen zu haben. „Es kann gute Gründe für die Maßnahme geben. Wenn die Asphaltierung gut gemacht ist, kann sie eine Hilfe für den Baum sein“, räumte Hönig ein. Allerdings warnte der Baumschützer eindringlich: „Wenn der Asphalt wieder entfernt wird, muss darauf geachtet werden, dass die Wurzeln des Baumes nicht weiter geschädigt werden.“

Grundsätzlich verdient der Pflanzenschutz im Stadtgrün spätestens seit dem Dürresommer 2018 mehr Aufmerksamkeit – nicht nur für Ulme 103 in der Karl-Marx-Straße. Hönig bereiten die Straßenbäume am Kottbusser Damm gerade besondere Sorge. „Berlin muss sich besser auf den Klimawandel vorbereiten!“, forderte er bereits im April zusammen mit dem Referent für Klimaschutzpolitik des Umweltverbandes, nachdem im Winter zuwenig Niederschlag gefallen war.

„Immerhin ist bei der Umweltverwaltung eine Bewässerungshilfe für Stadtbäume in Tempelhof aktuell in der Testphase“, berichtete Hönig. Anderswo werden die Bürgerinnen und Bürger aber weiterhin darum gebeten, die Bäume zu gießen. Der BUND Berlin hat eine Internetseite eingerichtet, auf der die nächste Straßenpumpe angezeigt wird und unterstützt die Menschen dabei, sich in Gießgruppen zu vernetzen. „Das kann aber nur die letzte Nothilfe sein. Die Gartenämter müssen in der Lage sein, nicht nur die Jungbäume mit Wasser zu versorgen, sondern auch für die ausgewachsenen Exemplare ausreichend Feuchtigkeit sicher zu stellen“, forderte Baumschützer Hönig.

=Christian Kölling=