Fast durchgängig freie Fahrt für den Radverkehr vom Südstern bis zur Reuterstraße

Neuköllns ersten geschützten Radfahrstreifen, in der Planersprache Protected Bike Lane genannt, stellte Bezirksbürgermeister Martin Hikel am Mittwochmittag der Öffentlichkeit vor. Rotweiß lackierte Poller schützen die Radfahrerinnen und Radfahrer vom Hermannplatz bis zur Reuterstraße in Richtung Rathaus Neukölln. Die Poller zwischen Radweg und Fahrbahn verhindern, dass Kraftfahrzeuge auf dem 300 Meter langen Abschnitt die Radspur überfahren und Falschparker den Weg versperren. Die Maßnahme ist zunächst auf Zeit angelegt und nicht unumstritten, weil am Straßenrand Lieferbereiche und Autostellplätze entfallen. In nördlicher Fahrtrichtung wird zwischen Weichselstraße und Hermannplatz ein klassischer Fahrradstreifen ohne Poller angelegt.

„Ein Ziel, das wir mit dem Umbau der Karl-Marx-Straße verbinden, ist das sichere und rücksichtsvolle Mit- und Nebeneinander von Fußgängern, Radfahrenden und dem Autoverkehr“, sagte Hikel. „Mit dem ersten geschützten Radfahrstreifen in Neukölln starten wir ein Pilotprojekt zur Erhöhung der Sicherheit für Radfahrende und stellen gleichzeitig mehr Übersichlichkeit für den Autoverkehr her. Ab 2020 wollen wir im Norden die Parkraumbewirtschaftung einführen, damit Anwohnerinnen und Anwohner einen Parkplatz in Wohnortnähe finden“, fügte der mit dem Rad zum Hermannplatz gekommene Bezirksbürgermeister hinzu.

Der 2 Meter 40 breite Radfahrstreifen in der Karl-Marx-Straße schließt fast nahtlos an die ebenfalls 300 Meter lange Protected Bike Lane zwischen Südstern und Hermannplatz auf der Hasenheide an. „Wir haben jetzt eine fast durchgängige Protektion vom Südstern bis zur Reuterstraße. Das ist ein echter Mehrwert für den Radverkehr!“, lobte Hikel. Weiterhin gefährlich und unübersichtlich bleibt aber die Verkehrssituation auf dem kurzen Abschnitt zwischen Wissmann- und Hermannstraße, wo der Radverkehr auf einen schmalen Radweg rechts neben der Fahrbahn und links vom Bürgersteig geführt wird.

Als Reporter, Verwaltungsmitarbeiter, Fahrrad-Aktive und Bezirkspolitiker am Mittwoch sich auf Rädern für eine Probefahrt vom Hermannplatz zur Reuterstraße in Bewegung setzten, waren einzelne Buh-Rufe von der gegenüberliegenden Straßenseite nicht zu überhören. Geschäftsleute schilderten im Anschluss an den Pressetermin dem Bezirksbürgermeister ihre Sorgen und Probleme.

Die Testphase des geschützten Radfahrstreifens dokumentiert ein Ingenieurbüro mit einem Vorher-Nachher-Vergleich. Dabei werden auch das Verkehrsverhalten und die Unfallentwicklung untersucht. Über eine langfristige Lösung wird ab 2022 unter Berücksichtigung der bis dahin vorliegenden Untersuchungsergebnisse entschieden.

=Christian Kölling=