Die Tee- und Wärmestube Neukölln ist auch im Sommer gut besucht

„Armut dauert zwölf Monate im Jahr. Auch im Sommer sollte niemand auf der Straße, in Parks, U-Bahn-Schächten oder unter der Brücke schlafen müssen“, das sagte mir Thomas de Vachroi, Leiter des Diakonie Haus Britz, mit dem ich kürzlich am Rand der Jubiläumsfeier des inklusiv gestalteten Wohnhauses an der Buschkrugallee sprach. De Vachroi ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch Armutsbeauftragter des Diakoniewerks Simeon, Sozialbeauftragter des CDU-Kreisverbandes Neukölln und seit Anfang 2019 stellvertretender Bürgerdeputierter im BVV-Ausschuss für Integration.

Ein Projekt, das ihm in Neukölln ganz besonders am Herzen liegt, ist die Tee- und Wärmestube in der Weisestraße 34. Ganzjährig ist die niedrigschwellige Beratungs- und Betreuungseinrichtung an vier Tagen in der Woche für alle Menschen geöffnet, die in schwierigen Lebenssituationen sind. Es gibt Sozialarbeiter und Ehrenamtliche, die die Besucher mit Kleidung und Essen versorgen. Eine Dusche steht zur Verfügung. Es wird gekocht und gelegentlich werden sogar Ausflüge unternommen. Die Einrichtung ist das einzige Angebot dieser Art im Bezirk und seit ihrer Gründung 1983 chronisch unterfinanzert.

Berlin zieht seit langem Menschen aus vielen Regionen mit unterschiedlichsten Träumen an. Einige scheitern oder geraten in dramatische Lebenssituationen und sind deshalb auf die Hilfen der Wohnungslosenhilfe angewiesen. Das wird auch in der Tee- und Wärmestube im Schillerkiez deutlich. Von 2017 auf 2018 stieg die Zahl der Besuche im Jahr um etwa ein Drittel auf deutlich über 15.000. Viele Besucherinnen und Besucher sind nicht deutschsprachig, weshalb es inzwischen eine punktuelle Zusammenarbeit mit dem Projekt „Frostschutzengel plus“ der Berliner Kältehilfe gibt.

„Es müssen mehr Verträge mit Botschaften und auch auf EU-Ebene abgeschlossen werden, damit Sozialarbeiter oder zumindest Sprachmittler aus der Heimat der Menschen mit ihnen reden. Wir müssen zunächst herausfinden, wo die Schwierigkeiten der Einzelnen liegen, die zu uns kommen, bevor wir ihnen wirkungsvoll helfen können“, sagte mir de Vachroi und fügte hinzu: „Wir können die Leute nicht auf der Straße sitzen lassen, wir sind verpflichtet, zu helfen. Das ist unsere Aufgabe. Nicht nur als Christen, sondern als Menschen.“

Neben einzelnen Projekten wie etwa der Tee- und Wärmestube Neukölln, müssten zur Armutsbekämpfung vor allem nachhaltige Maßnahmen ergriffen werden sagte der Armutsbeauftragte. Um insbesondere von Obdachlosigkeit betroffene Menschen zurück in die Gesellschaft zu holen, seien ein konkretes Maßnahmenpaket und eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung notwendig. „Was wir dringend brauchen, ist ein überparteilicher, nationaler Rat, der sich um Armut kümmert und sie bekämpft“, konkretisierte Thomas de Vachroi seine politischen Forderungen.

=Christian Kölling=