Fotowettbewerb „Zuhause in Neukölln“ zeigt Licht- und Schattenseiten

Seit 14 Jahren gibt die Bürgerstiftung Neukölln ihren eigenen Wandkalender heraus, und die Bildmotive der zwölf Kalenderblätter werden traditionsgemäß aus den besten Beiträgen des jährlich stattfindenden N+Fotowettbewerbs ausgewählt. Eine fünfköpfige Jury unterstützte die Wettbewerbsorganisatorin Sabine Wasner von der Bürgerstiftung Neukölln bei ihrer Arbeit und entschied über die Vergabe der Geldpreise an die drei Erstplatzierten (300, 200 und 100 Euro). Sie wählte zudem die Fotos der Plätze vier bis sechs aus, die mit einem Buch oder einer Eintrittskarte als Anerkennung bedacht wurden. Neben der Malerin Angelika Kolbe, den Fotografen Sabine Wolkenhauer und Manfred Bogner sowie der Kulturmanagerin Cathrin Mamoudou, durfte ich – wie bereits vor zwei Jahren – der Jury wieder angehören.

Zur Eröffnung der Ausstellung, in der alle weit über 100 eingesandten Wettbewerbsbeiträge zu sehen sind, wurden die sechs besten Bilder am Freitagabend im Neuköllner Leuchtturm in der Emser Straße vorgestellt. Platz 3 vergab die Jury an das Foto „Zuhause eines Wohnungslosen“. Paul Neugebauer nahm das Bild von einem Matratzenlager in einer ruhigen Nische am Alfred-Scholz-Platz auf. „Es hat uns alle sehr berührt, wie ordentlich und liebevoll das Lager eingerichtet ist, das auf dem Foto realistisch und sachlich gezeigt wird“, erläuterte Jury-Sprecher Bogner.

Der Entscheidung für Platz zwei ging eine längere Diskussion voraus: Die Jury musste zwischen den Aufnahmen „Zauberspiegelung“ und „Meine Kneipe“ von David Trujillo Álvarez eine Entscheidung treffen, weil jeder Teilnehmer im Wettbewerb nur für höchstens eine Arbeit, nicht aber für mehrere Einsendungen ausgezeichnet werden kann. Schließlich sprachen die wichtigsten Argumente für das Bild, das die Abendstimmung vor einer Biker-Kneipe im Schillerkiez einfängt.

Mit dem ersten Platz wurde das Balkon-Motiv ausgezeichnet, das Friedel Kantau in der Karl-Marx-Straße aufnahm. „‘Frau auf Balkon‘ zeigt ein sehr alltägliches Motiv, beeindruckt die Betrachter durch viele Details, abstrakte Komposition und komplexe Gestaltung“, sagte Bogner.

Die Plätze 4 und 5 wurden an Fotos von Neuköllner Graffities vergeben. „Deutsch mich nicht voll“ von Monika Hackert zeigt die Deklinationstabelle an einer Wand der Genezareth Gemeinde auf dem Herrfurth Platz. „Fauler Sonntag“ von Kelsey Becker setzt originell die Horizontale einer Strichzeichnung mit der Vertikalen eines jungen Baumes vor einer Wand in Beziehung. Platz 6 gewann Harry Handschuh mit seiner Aufnahme „48 Stunden Neukölln Weserstraße“. Der Gewinner ist ein begeisterter Stadtfotograf, fotografiert seit über 50 Jahren und lebt im Ruhrgebiet. Während des 48 Stunden Festivals war er bei Verwandten in Neukölln zu Besuch.

Die Ausstellung im Neuköllner Leuchtturm in der Emser Str. 117 kann bis zum 9. August nach telefonischer Voranmeldung besucht werden (Tel.: 030 – 62 73 80 13).

Schon jetzt wird das Thema des N+ Fotowettbewerbs 2020 gesucht. Sie können sich für einen der drei folgenden Themenvorschlägen aussprechen:
– Architektur in Neukölln
– Neuköllner Alltag
– Neukölln – Ohne Worte
Mail bitte an fotowettbewerb@neukoelln-plus.de

=Christian Kölling=