Müll vermeiden, reparieren, tauschen: Fest auf dem Herrfurthplatz mit vielen Ideen und praktischen Vorschlägen für ein nachhaltiges Leben im Kiez

Das 2. Umwelt- und Nachhaltigkeitsfest Neuköllns richtete die Aktion „Schön wie wir – für ein lebenswertes Neukölln“ am vergangenen Sonnabend auf dem Herrfurthplatz direkt neben dem wöchentlichen Schillermarkt aus. An fast 40 Ständen konnten die Besucherinnen und Besucher sich über verschiedensten Arten der Müllvermeidung, über Tauschen und Reparieren als Alternative zum Neukauf, sowie über viele andere Möglichkeiten informieren, um das tägliche Leben umweltbewusst zu gestalten.

Das Umwelt- und Nachhaltigkeitsfest, das im September 2018 zum ersten Mal auf dem Alfred-Scholz-Platz für eine enkeltaugliche Zukunft begeistern wollte, bot damit wieder einen Ort, an dem sich Initiativen und Akteure austauschen, voneinander lernen und gemeinsame Pläne schmieden konnten. Zudem gab es ein umfangreiches Bühnenprogramm mit viel Musik und einer politischen Diskussion zum Thema „Nachhaltigkeit im Kiez, in Deutschland und global“.

Simon Gerlinger, Projektmanager Zero Waste beim BUND-Berlin, Bernward Eberenz, Bezirksstadtrat für Umwelt- und Naturschutz, Dr. Fritz Felgentreu, Neuköllner SPD-Bundestagsabgeordneter, sowie Dr. Christian Hoffmann, Verordneter der grünen BVV-Fraktion, diskutierten u. a. über Effizienz und Suffizienz als Konzepte zum Klimaschutz. Reicht es aus, besser zu produzieren, also das Gleiche wie bisher herzustellen, aber effizienter zu wirtschaften, also nur mit weniger Ressourcenverbrauch und CO2-Ausstoß? Oder muss die Menschheit als Antwort auf den Klimawandel nicht vielmehr auch Suffizienzstrategien verfolgen, d. h. weniger produzieren und konsumieren: Mehr gemeinsam nutzen statt einzeln besitzen, Genügsamkeit üben und sich vom Wohlstandsmüll befreien?

Die Initiative Klimanotstand Berlin warb an einem Stand um Stimmen für ihre Volksinitiative, mit der das Berliner Abgeordnetenhaus dazu bewegt werden soll, sich für die Einhaltung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens (Erderwärmung max. 1,5 Grad Celsius) einzusetzen und den Treibhausgas-Ausstoß sofort drastisch zu reduzieren. Das politische Instrument der Volksinitiative ermöglicht, in einem einfachen Verfahren mit einer Zahl von mindestens 20.000 Unterstützungsunterschriften auf besondere Probleme aufmerksam zu machen und dem Abgeordnetenhaus unmittelbar Vorschläge zu unterbreiten. Weltweit haben über 500 Parlamente, u. a. in London, Basel und Los Angeles, nach Angaben der Initiative bereits den Klimanotstand ausgerufen.

Auch die Initiative thf:next, die sich dafür einsetzt, dass das riesengroße Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof zu einem solidarischen, zukunftsfähigen und kooperativen Ort entwickeln wird, war zum Herrfurthplatz gekommen. Mit einem bunten Demonstrationszug forderten sie ein offenes und kreatives Flughafengebäude, das zur Atmosphäre des Tempelhofer Feldes passt.

=Christian Kölling=