Fête de la Musique in Neukölln: Zwischen inklusiver Rockbühne und Chornacht

Mit 45 Auftritte an einem Dutzend Veranstaltungsorten beteiligten sich vorgestern Musikerinnen und Musiker verschiedenster Stilrichtungen in Neukölln an der diesjährigen Fête de la Musique. Das Fest der Musik wird weltweit in über 500 Städten zum Sommeranfang am 21. Juni begangen. Das erste Mal fand die Fête de la Musique 1982 in Paris auf Anregung des französischen Kulturministers Jack Lang statt. Das populäre Festival, das die Musikbegeisterung der Menschen mit kostenfrei zugänglichen Veranstaltungen stärken soll, verbreitete sich rasch weltweit und gelangte 1995 auch nach Berlin, wo es inzwischen zu einem der beliebtesten Ereignisse im Veranstaltungskalender der Stadt geworden ist. Berlinweit fanden diesmal 662 Musikveranstaltungen an über 150 Musikorten während der Fête de la Musique statt.

Mit viel Enthusiasmus spielte Akona, die inklusive Rockband des AWO Falk-Club, im Rollbergviertel auf der Bühne in der Falkstraße. Die Band feierte ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum und begeisterte das Publikum, vielleicht gerade auch deshalb, weil sie nicht immer den richtigen Ton traf. Weitere Gäste auf der inklusiven Rockbühne der AWO waren die drei Gruppen ATA (The Astral Terror Attack) , Far Away North und Aliens Incognito.

Afro, Bantou, Pop, Rap und Soul gab es bei insgesamt 11 Auftritte auf der „No Frontiers“- Bühne im Jugend-, Kultur- und Werkzentrum in der Grenzallee 5 zu hören. Auf der großen Bühne, die das JuKuz Wutzkyallee zu Verfügung gestellt hatte, unterhielt u. a. DJ Lukas Meden die Zuschauer. Wenige Kilometer entfernt spielte zur gleichen Zeit im Kulturbunker Rungiusstraße 19 die sechsköpfige Band StrawFire bekannte Folk-, Bluesrock- und Country-Titel.

Eine Chornacht mit Gospel, Pop und Spirituals präsentierte die Martin-Luther-Kirche in der Fuldastraße im Norden Neuköllns . Der Moabiter SingVerein e. V. gehörte wohl zu den erfahrensten Teilnehmern der Fête de la Musique in Neukölln. Das Durchschnittsalter der Gruppe liegt knapp unter 60 Jahren und das jüngste Chormitglied ist 50. Die Mehrheit des Doppelquartetts singt seit über 30 Jahren mit viel Elan Chorsätze der Romantik. Wie sich das Publikum am Freitagabend überzeugen konnten, ist der Chor trotzdem ganz im Sinn des Musikfestes experimentiertfreudig geblieben und erweitert sein Repertoire beständig mit Popsongs, nordischer moderner Chormusik und mit Jodlern.

=Christian Kölling=