Schüler, Tiere, Sensationen: Tag der Offenen Tür im Zirkus Mondeo

Flüchtlingskinder aus den Willkommensklassen einiger Neuköllner Grund- und Oberschulen können seit Beginn des Schuljahres 2015/16 im Zirkus Mondeo an der Gutschmidtstraße in Britz nicht nur Deutsch lernen. Das Projekt Circus-Schule, das der Erlebniscircus e. V. als gemeinnütziger Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendhilfe mit Unterstützung der Initiative „Ein Herz für Kinder“ durchführt, motiviert sie im außerschulischen Umfeld vielmehr ganz allgemein zu selbstständigem Lernen und eigenverantwortlichem Handeln.

Beim Tag der Offenen Tür des Zirkus Mondeo traf ich am Sonnabendnachmittag Günther Hermanns, der als Grundschullehrer im Ruhestand ehrenamtlich zweimal wöchentlich in der Circus-Schule unterrichtet. „Die Schülerinnen und Schüler können nach jeder Unterrichtseinheit mit den Circus-Trainern verschiedene Disziplinen üben oder sich auf dem Gelände um die Tiere kümmern. Die Lernbereitschaft und die Motivation am Unterricht teilzunehmen erhöhen sich dadurch enorm“, beschrieb Hermanns das Konzept anschaulich.

Eine wesentliche Grundlage seiner pädagogischen Arbeit ist die „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK), ein Handlungskonzept das ursprünglich der Psychologe Marshall B. Rosenberg entwickelte. Mit dieser Art der Kommunikation, die auch „Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“ genannt wird, lernen die Kinder, eigene Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Sie werden ermutigt, ihre Bedürfnisse zu identifizieren, die hinter den Gefühlen stecken, um am Ende entsprechende Bitten oder Wünsche an ihre Gesprächspartner zu richten. Die in der Gesellschaft weitverbreitete, herkömmliche Art der Kommunikation, die Rosenberg kontrastierend als „Wolfssprache“ bezeichnete, will andere Menschen dagegen nur zu einem bestimmten Handeln bewegen, oder gar zwingen.

„Ich konnte meine Arbeit in der Circus-Schule bereits dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller vorstellen und warte im Augenblick auf einen Termin beim Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel“, erklärte Hermanns weiter. Zirkus-Direktor Gerhard Richter dankte ihm während des Festtagsprogramms öffentlich für seine langjährige ehrenamtliche Arbeit und sagte: „Günther Hermanns ist uns zum Freund geworden und gehört schon zur Familie.“ Symbolische überreichte er ihm in der Manege einen goldenen Clown.

Auch wenn in diesem Jahr nicht so viele Besucher wie 2017 zum Tag der Offenen Tür kamen, sahen sich Bezirksbürgermeister Martin Hikel, die Abgeordnete Derya Çağlar und die Bezirksverordnete Cordula Klein (beide SPD) das Programm an.

Neben der Circus-Schule, die nach den Sommerferien in ihr fünftes Jahr startet, bietet der Zirkus-Mondeo seit mehr als 12 Jahr weiterhin seinen Mitmachzirkus als Zirkusprojektwoche für Neuköllner Grundschüler an. Zu Programm gehören hauptsächlich ganz einfache, aber effektvolle Übungen, mit denen die Muskulatur , die Koordination und der Gleichgewichtssinn trainiert werden. Die gemeinsame Erarbeitung einer Zirkusnummer in altersübergreifende Gruppen sowie der Umgang mit Tieren sollen außerdem den sozialen Zusammenhalt und das Selbstvertrauen der Kinder stärken.

=Christian Kölling=