SiQua verschickt Fragebögen an 15.000 Neuköllner Haushalte

Wie sicher fühlen sich Neuköllnerinnen und Neuköllner in ihrem Wohnumfeld? Was hat sich in den letzten Jahren verändert und was soll sich in Zukunft verbessern? Diesen Fragen gehen gleich mehrere Universitäten im Rahmen des bundesweiten SiQua-Projektes nach. Je rund 5.000 zufällig ausgewählte Neuköllner Haushalte im Quartier Sonnenallee Nord, im Gebiet rund um die Ringbahnstraße sowie in Gropiusstadt-Buckow erhalten deshalb per Post derzeit Fragebögen, die das SiQua-Projekt anonym auswerten wird.

„Die Studie wird wertvolle Hinweise dafür liefern, wie die Sicherheitslage in den Kiezen verbessert werden kann. Deshalb rufe ich alle angeschriebenen Haushalte dazu auf, sich an der Untersuchung zu beteiligen“, kommentierte Bezirksbürgermeister Martin Hikel das Fragebogen-Projekt und unterstrich: „Nur wenn viele Antworten eingehen, können wir die besten Konzepte für eine gute Zusammenarbeit vor Ort entwickeln und unsere Kieze gemeinsam sicherer machen.“

Die drei in Neukölln ausgewählten Gebiete charakterisieren die Wissenschaftler des SiQua-Projektes ganz unterschiedlich. Der nördliche Teil der Sonnenallee sei durch eine Vielzahl von arabischen Geschäften, Restaurants, Shishabars und Cafés geprägt. Durch den Zuzug vieler Geflüchteter aus dem arabischen Raum habe der Publikumsverkehr auf der Sonnenallee in den vergangenen Jahren stark zugelegt. „Auch wenn das Zusammenleben meist friedlich verläuft und offene Straftaten eher selten passieren, ist der obere Abschnitt der Sonnenallee sowie der angrenzenden Straßen für unterschiedliche Teile der Bevölkerung auch ein Ort, der mit Unsicherheits- und Konfliktwahrnehmungen sowie vielfältigen Norm- und Regelverletzungserfahrungen verbunden ist“, wird die aktuelle Situation beurteilt.

Die Bevölkerung im Fallstudiengebiet Ringbahnstraße zeichne sich durch einen überdurchschnittlichen Anteil von Menschen mit unterschiedlichen Migrationshintergründen sowie einem vergleichsweise niedrigen sozioökonomischem Status aus. Im Viertel stünden die wahrgenommenen Sicherheitsprobleme Drogenkonsum, Drogenhandel sowie das Verhalten Jugendlicher im öffentlichen Raum im Fokus. Wörtlich heißt es auf der SiQua-Webseite zur Situation im Untersuchungsraum Ringbahnstraße: „Das Fallstudiengebiet hat sich über die Jahre zu einem Schwerpunkt des Drogenhandels und –konsums entwickelt. Dabei sind insbesondere der Konsum in der Öffentlichkeit, in Hauseingängen, Parkanlagen, U- & S-Bahnhöfen sowie die damit einhergehenden Hinterlassenschaften der Konsumenten (Spritzen, Folien, Fäkalien, etc.) für die lokale Bevölkerung immer wieder Gegenstand von Unsicherheitswahrnehmungen und Erfahrungen.“

Das dritte Untersuchungsgebiet Berlin Buckow/Gropiusstadt umfasst schließlich den mittleren und östlichen Teil von Buckow sowie die gesamte Gropiusstadt. Das Gebiet ist überwiegend geprägt durch Wohnhochhäuser und wird teilweise von Einfamilienhäusern umgrenzt. Im Vergleich zur Gesamtstadt weise das Gebiet mit rund 57.500 Einwohnern unterschiedlichster Herkunft einen überdurchschnittlich hohen Anteil an älteren Menschen auf, besonders im Süden der Gropiusstadt. In den letzten 8 Jahren sei ein Bevölkerungszuwachs, insbesondere von Familien mit Migrationshintergründen, zu verzeichnen. Den Einwohner der Gropiusstadt werde seit dem Beginn des Berliner Monitoring ein niedriger bis sehr niedriger sozialer Status zugeordnet. Die Bevölkerung im Buckower Teil des Fallstudiengebietes weise durchschnittlich einen mittleren Status auf, der in den letzten 5 Jahren jedoch vereinzelt gesunken der. Zu Themenstellung und Sicherheitsszenario der Studie schreibt SiQua: „Der verstärkte Zuzug neuer Bevölkerungsgruppen führt unter langjährigen Mietern mit und ohne Migrationshintergrund zusätzlich zu verschiedenen Sorgen, die das nachbarschaftliche Zusammenleben betreffen. Typische Konflikte an denen sich diese Sorgen abzeichnen, betreffen das Verhalten von Jugendlichen im öffentlichen Raum sowie die Entsorgung von Müll und die Regelung des Verkehrs. Vereinzelt gehen damit Ängste vor Wohnungseinbrüchen und Raubüberfällen einher.“

In dem Projekt SiQua arbeiten zahlreiche wissenschaftliche Institute wie die Deutsche Hochschule der Polizei, TU Dresden, TU Berlin, Universität Potsdam und die Stiftung SPI zusammen. Unterstützt werden sie von zusätzlichen Partnern wie dem Bundeskriminalamt, dem Bezirksamt Neukölln sowie den betroffenen Quartiersmanagements in Neukölln. Post von SiQua erhalten außerdem Einwohner in Friedrichshain und im Wedding; insgesamt werden rund 25.000 Personen befragt.

=Christian Kölling=