1.200 Künstler mit rund 250 Beiträgen beteiligen sich an diesem Wochenende beim Festival 48 Stunden Neukölln zum Thema „Futur III“

Angenommen, Sie könnten nicht nur die Zukunft vorhersagen, also prognostizieren, was einmal gewesen sein wird, sondern Sie wären ebenso in der Lage, aus der Perspektive des nächsten Sonnabends auf die Ereignisse des kommenden Freitags zurückzublicken: Wie wird Ihnen beispielsweise übermorgen, d. h. Sonnabend, die Eröffnung des Kunst- und Kultur-Festivals 2019 gefallen haben, die am morgigen Freitag um 19 Uhr in der Neuköllner Passage stattfinden wird? Und was werden Sie am Montag über das Festival gedacht haben, das am Sonntag beendet sein wird?

Futur III heißt diese Zeitform einer paradoxen Zukunft, die retrospektiv vorausgesehen wird und auf die man vorwegnehmend zurückblickt. In der Grammatik des Altgriechischen wird dieser Tempus mit dem sehr selten verwendeten Perfektfutur einwandfrei wiedergegeben. Im Deutschen kann diese Zeitform, die das Jahresthema der 48 Stunden Neukölln ist, allerdings nur umständlich umschrieben werden.

“Das Futur III kann einfacher gedacht als gesprochen oder geschrieben werden”, waren sich deshalb Festivalleiter Dr. Martin Steffens und Thorsten Schlenger vorgestern auf der Pressekonferenz der diesjährigen 48 Stunden im Haus der Bildung in der Boddinstraße einig. Bei einem anschließenden Rundgang durch die Ausstellung im Kesselhaus des KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst forderte Steffens das zeitliche Vorstellungsvermögen allerdings noch einmal heraus und ließ es im Hier und Jetzt endgültig kollabieren: “Der Japaner Tomoyuki Ueno verwendet uralte Materialien für seine Kunstwerke. Die von ihm neubearbeiteten Versteinerungen haben ein Alter von rund 100 Millionen Jahren. Die freigelegten, längst vergangenen Ammoniten und Seesterne werden durch seine Eingriffe quasi in unsere Gegenwart hineingeholt“, erklärte Steffens, während er Uenos Arbeit herumzeigte.

Mehr als Orientierungspunkte für den Besuch des größten freien Kunstfestivals in Berlin konnten Steffens und Schlenger auf der Pressekonferenz am Dienstagvormittag nicht geben. Die Erläuterung des sperrigen Futur III dauerte einfach zu lange und vielleicht ist auch das Festivalprogramm an sich zu umfangreich.

„Einen Einstieg in die Vielfalt der Festivalbeiträge bieten geführte Touren durch die Kieze sowie dialogische Führungen in der zentralen Ausstellung im Kesselhaus des KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst“, empfahlen die Festivalleiter. „Ergänzt wird das Vermittlungsprogramm durch Rundgänge in Gebärdensprache sowie Angebote für blinde und sehbehinderte Menschen mit blinden Reporterinnen und Reportern“, fügten sie hinzu.

Auch Per Brandt, Leiter des Goethe-Instituts in Nowosibirsk, der neben Kulturstadträtin Karin Korte und Auguste Kuschnerow, Vorstandsvorsitzende des Kulturnetzwerks Neukölln e. V. auf der Bühne saß, konnte während der Pressekonferenz mit seiner Botschaft nicht voll zur Geltung kommen. „Verschiedene Orte im Zentrum von Nowosibirsk werden vom 13. bis 15. September für 48 Stunden zum Schauplatz eines dezentralen und partizipativen Festivals zeitgenössischer Kunst“, konnte Brandt berichten.: „Das Goethe-Institut Nowosibirsk, das Städtische Zentrum für zeitgenössische Kunst Nowosibirsk und aus Deutschland das Kulturnetzwerk Neukölln laden Sie dazu ein, an dem Festival 48 Stunden Novosibirsk teilzunehmen.“

Mehr zum Programm der 48 Stunden Neukölln unter https://48-stunden-neukoelln.de/

=Christian Kölling=