„Wir stehen mit dem Neuköllner Tourismuskonzept erst am Anfang“

Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler, Kreative, Stadtführer und viele Andere, die an der Entwicklung des Tourismus in Berlin interessiert sind, trafen sich am Donnerstagvormittag auf Einladung von Bezirksbürgermeister Martin Hikel im Kulturstall auf dem Gutshof Britz. „Neukölln 2030 – Perspektiven für den Tourismus“ lautete das Thema, über das Hikel und Faye Preusse aus der Abteilung Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes mit den Anwesenden ins Gespräch kommen wollten.

Dass der weit über alle Grenzen bekannte Problembezirk schon längst ein touristischer Geheimtipp ist, wurde im letzten Jahr publik, als der Reiseführer „Time Out“ Neukölln auf Platz 7 der „50 coolsten Viertel der Welt“ listete. Hinter der Weltmetropole New York und der Musikhauptstadt Melbourne folgt Berlin in diesem Jahr für sein „Partyleben“ und das kostenlose Versprechen von „Freiheit und Glück“ auf Platz 7 des Rankings. In Neukölln empfiehlt der Reiseführer aktuell den Besuch des Flohmarktes am Landwehrkanal und einen Abstecher zum Wochenmarkt am Maybachufer ebenso wie Besuche auf dem Tempelhofer Feld, im Puppentheater Museum und beim Rixdorfer Weihnachtsmarkt.

„Neukölln ist Arte, während Mitte die ARD ist“, erklärte Hikel vor rund 60 aus allen fünf Ortsteilen gekommenen Zuhörerinnen und Zuhörern, um zu veranschaulichen, dass es im Bezirk viele touristische Geheimtipps gäbe. Der Ort der Informationsveranstaltung sei nicht ohne Grund gewählt worden, denn das Programm des Schloss Britz und die Veranstaltungen der Musikschule Paul Hindemith böten auch für auswärtige Besucher viel Sehens- und Hörenswertes. So wie hier fände man überall im Bezirk exquisite und außergewöhnliche Angebote, wie beispielsweise die Neuköllner Oper, den Heimathafen Neukölln oder den Britzer Garten.

„Wir stehen mit dem Neuköllner Tourismuskonzept erst am Anfang. Wir sind noch in der Findungsphase“, räumte Hikel allerdings ein. Er ermunterte die Versammelten mit diesem Eingeständnis auch zur Mitarbeit und Beteiligung am Tourismuskonzept, das erst Ende Mai dem Hauptausschuss der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt wurde. Während Anwohner im Reuterkiez sowie Marlis Fuhrmann, bau- und wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke Neukölln, bereits die Stadt- und Sozialverträglichkeit des Tourismuskonzeptet bezweifelten, blieb eine öffentliche Debatte über mögliche wirtschaftliche Entwicklungschancen durch den Fremdenverkehr bislang aus.

„Mit knapp 900.000 Hotelübernachtungen lag Neukölln im vergangenen Jahr nur auf Platz 7 im stadtweiten Vergleich. Weniger Touristen übernachteten nur in den Außenbezirken“, berichtete Faye Preusse. Beim Angebot an Airbnb-Unterkünften stünde Neukölln mit über 2.000 privat vermieteten Ferienwohnungen berlinweit fast an erster Stelle, fügte die Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung hinzu. „Treptow-Köpenick hat einen eigenen Tourismusverein und eine zertifizierte Touristeninformation, das gibt es in Neukölln nicht“, sagte mir Preusse am Ende der Veranstaltung. Auch in der Abteilung Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes gibt es bisher keine Stelle, die sich ausschließlich um den Tourismus im Bezirk kümmert. Die zuständige Ansprechperson bei der landesweiten Tourismus-Agentur Visit Berlin bearbeitet derzeit neben Neukölln noch zwei weitere Bezirke.

=Christian Kölling=

Eine Antwort

  1. Wenn Touristen nicht mehr durch die Pisspfützen in der Passage staksen müssten und der Verkehr in Rixdorf eingeschränkt werden würde, könnte der historische Stadtteil wirklich sehenswert werden. So aber, wie jetzt, mit Spielhöllen und Drogensüchtigen, die Passanten aggressiv angehen und der Gleichgültigkeit des Ordnungsamtes – so wird das nichts.

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