Donaustraße und Kranoldplatz: Zwei Kieze mit vierfacher Belastung

Über den aktuellen Bericht zur Umweltgerechtigkeit in Berlin, den die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz erstmals Ende Februar veröffentlichte, diskutierten Verantwortliche aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft beim Fachforum „Umweltgerechtigkeit & Nachhaltigkeit“, das der Berlin 21 e. V. am Mittwoch in der Kreuzberger Forum Factory ausrichtete.

Dr. H.-Josef Klimeczek aus der Abteillung Umweltpolitik der Senatsverwaltung stellte einleitend die Systematik des Berichtes zur Umweltgerechtigkeit vor, der kiezscharf die fünf Kernindikatoren Lärmbelastung, Luftschadstoffe, Bioklima (Hitze, Kälte, Luftfeuchtigkeit und Wind), Grün- und Freiflächenversorgung sowie Sozialstruktur dargestellt. Aufgeteilt in 447 lebensweltlich orientierte Planungsräume (LOR), in denen jeweils rund 7.500 Einwohner leben, werden umfassende Daten zur Verteilung der Umweltbelastungen in den einzelnen Stadtquartieren zur Verfügung gestellt.

„Der Bericht zur Umweltgerechtigkeit bietet mit seinem interdisziplinären und kleinräumigen Ansatz genau die Datengrundlage, die wir brauchen, um die Lebensbedingungen auch für Menschen mit kleinem Portemonnaie zu verbessern“, lobte Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer, Vorsitzende des Landesverbandes Berlin-Brandenburg im Sozialverband Deutschland. In vielen Teilen Berlins – vor allem im hochverdichteten Innenstadtbereich – konzentrieren sich gesundheitsrelevante Umweltbelastungen, wie Verkehrslärm, Luftschadstoffe, unzureichende Ausstattung mit Grünflächen und bioklimatische Belastungen. Viele Gebiete haben gleichzeitig eine hohe soziale Problemdichte und sind überproportional durch Mehrfachbelastungen betroffen, wie die Daten des Berichtes belegen.

Das neue Themenfeld „Umweltgerechtigkeit“ verbindet Fragen der Stadtentwicklungs-, Umwelt-, Gesundheits- und Sozialpolitik auf neue Art und Weise miteinander. Das Land Berlin beansprucht, mit seiner unter Mitwirkung des BUND erarbeiteten Umweltgerechtigkeitskonzeption deutschlandweit und international eine Vorreiterrolle einzunehmen. Katalin Gennburg, Sprecherin für Stadtentwicklung der Fraktion Die Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, sprach sich dafür aus, dass der Basisbericht Umweltgerechtigkeit in einer Ausschuss-Anhörung des Berliner Landesparlamentes beraten werden sollte.

Die Verknüpfung unterschiedlichster Daten zeigt, in welchen Planungsräumen sich ökologische Probleme und soziale Herausforderungen häufen. Im Neuköllner Norden sind zwei Quartiere mit einer Vierfach-Belastung besonders stark betroffen. Es ist zum einen das Gebiet vom Hermannplatz bis zur Erkstraße, das zwischen Sonnenallee und Karl-Marx-Straße größtenteils entlang der Donaustraße verläuft. Zum anderen das Quartier rund um den Kranoldplatz, das zwischen Silberstein-, Hermann-, Julius- und Karl-Marx-Straße liegt.

„Besonders gefährdet durch Umweltbelastungen sind Kinder, Kranke und alte Menschen. Es gibt ein Recht auf Teilhabe an Natur und auf eine saubere Umwelt!“, erklärte Herbert Lohner, der u. a. ein Projekt für Umweltgerechtigkeit in Neuköllnn betreut. „Berlin muss die grünen Klimaoasen in der Stadt dauerhaft sichern und das innerstädtische Grün aufwerten – und zwar so, dass gerade diejenigen, die bislang keinen wohnortnahen Zugang zur Stadtnatur haben, davon profitieren“, forderte der Naturschutzreferent des BUND Berlin.

=Christian Kölling=