„Die Themen Stadt- und Sozialverträglichkeit müssen im Neuköllner Tourismuskonzept deutlich nachgearbeitet werden“

Im Ausschuss für Haushalt, Wirtschaft, Verwaltung und Gleichstellung wurde Ende April auf einer Sitzung im Hotel Mercure das von CIMA und Tourismus Plan B erstellte Tourismuskonzept für Neukölln vorgestellt. Andreas Berg, Anwohner im Reuterkiez und Sprecher der AG Wohnumfeld, wandte sich Mitte Mai als Reaktion auf die Sitzung in einem Brief an Bezirksbürgermeister Martin Hikel.

„Wie auch beim Tourismuskonzept des Landes Berlin wird im Neuköllner Tourismuskonzept auf die besondere Bedeutung von Stadt- und Sozialverträglichkeit hingewiesen. Hier geht es aus unserer Sicht insbesondere um die Frage, wie mit Nutzungskonflikten zwischen Anwohner*innen und Gastronomiebetrieben umgegangen wird – also etwa nächtlicher Kneipenlärm, übermäßige Nutzung der Gehwege durch Außengastronomie, Vermüllung, Verdrängung von Wohnraum durch Airbnb-Unterkünfte und Verdrängung von sonstigem Kleingewerbe zugunsten von Gastronomie“, erläuterte Berg die Anliegen der Initiative noch einmal. „Wir fordern, dass die Themen Stadt- und Sozialverträglichkeit im Tourismuskonzept deutlich nachgearbeitet werden, es reicht nicht die Probleme zu benennen, sondern das Konzept sollte auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen“, schrieb der Sprecher der Anwohnerinitiative. Weiterhin müssten im Tourismusbeirat die Anwohnerinteressen stärker berücksichtigt werden.

Kritik am Neuköllner Tourismus-Konzept übt inzwischen auch Marlis Fuhrmann, bau- und wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE Neukölln: „Das Konzept liest sich wie eine Werbebroschüre der Branche. Die Studie erfüllt die Ansprüche bezüglich Stadt- und Sozialverträglichkeit nicht. Die Lebensqualität der Anwohner*innen scheint der Vermarktung des Bezirks nachgeordnet. Verdrängung wird als Problem erwähnt, aber Gegenstrategien fehlen. In einem künftigen Beirat dominieren Wirtschaftsvertreter“, kritisierte Fuhrmann und teilte Forderungen der AG Wohnumfeld Reuterkiez inhaltlich. Problematisch sei die gegenwärtige Zuordnung des Tourismus zum Fachbereich Wirtschaft. Um den Tourismus stadtverträglich zu gestalten wäre eine Ansiedlung bei der Stadtentwicklung angemessen.

=Christian Kölling=